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DA CAPO - Zeitkritischer Film in der ALFONS Dorfner Halle

Theaterjugend Lembach mit erfolgreichem Filmdebut


Junge SchauspielerInnen aus Lembach und Niederösterreich

LEMBACH (18.01.2008) - Die vollständig ausverkaufte Filmvorführung "DA CAPO" in der ALFONS Dorfner Halle hat auch die optimistischsten Besucherprognosen deutlich übertroffen. Denn es ist keineswegs eine ausgemachte Sache, dass Videointerviews mit Zeitzeugen aus dem 2. Weltkrieg und ein künstlerisch gestalteter Film, der auf diesen Interviews aufbaut, auch ein Publikumserfolg wird. So hat z.B. die Partnerveranstaltung in St. Anton nur ganze 20 Personen anlocken können. In Lembach waren es ca. 250 Besucher.




Julia Pröll und Magdalena Lindorfer im Beziehungsgeflecht

EXPERIMENT

Es war sicherlich ein Experiment mit ungewissem Ausgang, als sich die Theaterjugend Lembach - gemeinsam mit KünstlerInnen aus N.Ö. und Tirol - an ein zeitkritisches Filmprojekt herangewagt hat. Sowohl die Kosten als auch der Arbeitseinsatz bei einem derartigen Projekt sind nicht zu unterschätzen. So haben die SchauspielerInnen den Hauptteil des Films DA Capo im niederösterreichischen Eggenburg gedreht, wobei die Dreharbeiten oft bis 03.00 Uhr früh gedauert haben.

Aber natürlich hat es den Jugendlichen auch viel Spaß gemacht, denn sonst hätten sie es nicht gemacht und es war auch sicherlich eine sehr wertvolle Erfahrung für weitere ähnliche Projekte.




Der kleine Teddybär (rechts im Bild) zieht sich durch den ganzen Film hindurch

DA CAPO

Quasi als Vorspann zum Hauptfilm gab es eine halbstündige Videodokumentation, bei der Zeitzeugen über ihre persönlichen Erlebnisse der Kriegs- und Nachkriegszeit gesprochen haben. Sehr authentisch und lehrreich.

Nach einer kurzen Pause wurde dann der zeitkritische Film DA CAPO in 1 1/2 Stunden dem Publikum präsentiert. Die Qualität des Films sowie die durchwegs sehr guten schauspielerischen Leistungen waren für ein Erstlingswerk wirklich beachtlich. Die Hauptbotschaft des Films: "Wehret den Anfängen" ist sicherlich angekommen.

Natürlich hat man sich bei diesem Film schon konzentrieren müssen, um den Faden nicht zu verlieren, aber letztlich war es für das Grundverständnis des Films nicht so wichtig, denn man hat zu jedem Zeitpunkt die bedrückende Atmosphäre eines totalitären Überwachungsregimes spüren können.




Erste Spannungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen sind bereits zu spüren. Die Grenzen zwischen "Guten, Bösen und Mitläufern" sind zu Beginn des Films noch fließend




Durchwegs sehr gute schauspielerische Leistungen




Überraschend wirkungsvolle szenische Einstellungen

Der Schluss war gekonnt gemacht und erhielt mit dem Schnell-Durchlauf von Todesanzeigen nochmals ein dramatische Note. In Gesprächen nach dem Film war es für manche Zuseher jedoch teilweise nicht ganz verständlich, warum dann praktisch ALLE Personen des Films: Bösewichte, Angepasste, Personen mit und ohne Zivilcourage, etc. auf gewaltsame Weise ums Leben gekommen sind. Man hätte sich zumindest irgendeine Art von positivem Ausgang erhofft. So konnte man nur miterleben, dass auch das persönliche Aufbegehren der "letzten Aufrechten" gegen die "dunklen Mächte" nicht von Erfolg gekrönt war. Somit ein deprimierender Schluss ohne jede Spur von Happy End.

Aber leider ist das brutale Realität in solchen menschenverachtenden Zeiten. Und irgendwann gilt auch für den möglichen Widerstand das Wort: "zu spät", "zu wenige". Dann müssen Gruppen oder sogar ganze Völker lange unter einer derartigen Schreckensherrschaft leiden. Und das ist wiederum die unausgesprochene Botschaft des Films: "Wehret den Anfängen". Denn wenn die Mehrheit der Bevölkerung - aus welchen Motiven auch immer - zu lange schweigt, haben auch die wenigen noch verbliebenen Menschen mit Zivilcourage keine Chance mehr, etwas zu ändern.

RAHMENPROGRAMM

Während und nach den Filmvorführungen konnte man Ausstellungsstücke (meist in Text- und Bildform) aus der Zeit des 2. Weltkrieges und danach begutachten. Besonders das "Arme-Leute-Essen" im Anschluss an den Film wurde sehr gut aufgenommen, gab es doch jede Menge Schmankerl aus "Großmutters Küche" zu verkosten.




Aufgrund des unerwartet starken Besucherandrangs mussten sogar die Trennwände in die Höhe gefahren werden ...




Alle Fotos: JOSEF REINTHALER

LINKS:
http://www.theatergruppelembach.at

Verfasser: Lembach-Online Josef Reinthaler
Verfasst am: 24.01.2008
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Direkter Link zum Artikel: http://www.lembach-online.at/cgi/showlembach.cgi?id=2114

 

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