Nachruf für Altbürgermeister Alois Hötzendorfer

ÖR Hötzendorfer war von 1970 - 1984 Bürgermeister von Lembach

Altbürgermeister ÖR Alois Hötzendorfer wurde am 19. 10. zu Grabe getragen. Er war einer von jenen Men-schen, welche zum Glück bereit sind, in ihrem Leben um einiges mehr zu tun als nur ihre Pflicht.
Und er war außerdem bereit dazu, obwohl ihm die Fülle seiner Aufgaben auf Grund seiner körperlichen Ein-schränkungen sicherlich manchmal noch um einiges schwerer gefallen sein musste, als einem gesunden Men-schen.

Alois Hötzendorfer wurde am 30. Mai 1920 in Atzesberg 10, Gemeinde Lembach, als eines von 8 Kindern geboren und absolvierte hier seine Schulpflicht.
Anschließend war er in der elterlichen Landwirtschaft tätig. Von 1938 bis 1940 besuchte er die Landwirtschaftsschule in Schlägl und erwarb sich dort und in weiteren landwirtschaftlichen Fachkursen das Rüstzeug für seine Tätigkeit als Landwirt.

Aber schon im Herbst 1940 musste Alois Hötzendorfer nach Klosterneuburg zur deutschen Wehrmacht einrü-cken, er musste dort die Pionier- und Funkerausbildung absolvieren und brachte es später im Krieg bis zum Unteroffizier.
Da der Russlandfeldzug begann, musste er – wie viele andere Lembacher auch – an diese neue Front im Osten. Einigen schweren Schlachten entkommen, wurde er schließlich aber durch Granatsplitter am linken Bein ver-wundet und musste ein ganzes Jahr in verschiedenen Lazaretten verbringen, ehe er bei Kriegsende im Sommer 1945 nach Hause entlassen wurde.

Vom Krieg in die elterliche Landwirtschaft heimgekehrt, verehelichte er sich 1949 mit Katharina Falkinger. Gemeinsam mit seiner Gattin übernahm er von seinen Eltern nun als „Bauer von Gotzersdorf“ die 27 ha große Landwirtschaft. Durch einen schweren Arbeitsunfall im Jahre 1960, bei dem er sich einen Lendenwirbelbruch zuzog – was seine von da an unübersehbare Invalidität zur Folge hatte – war er sieben Monate im Krankenhaus bzw. in Rehabilitation.

Von seinen vielen Funktionen im Laufe seines Lebens stellte sicherlich die des Bürgermeisters die größte Her-ausforderung dar:
Bis zu dieser Funktion hatte er allerdings jede Menge an Erfahrungen gesammelt. Als fortschrittlicher Bauer wurde Alois Hötzendorfer bereits 1949 zum Bauernbundobmann von Lembach gewählt, eine Funktion, wel-che er ganze 31 Jahre, also bis 1980, inne hatte.

Im selben Jahr 1949 wurde er natürlich auch in den Ortsbauernausschuss berufen und bekleidete auch dort 18 Jahre die Funktion eines Obmannes. Mehr als 19 Jahre, nämlich von 1953 bis 1972, führte ÖR Alois Hötzen-dorfer mit großem Engagement unsere Ortsgruppe der ÖVP Lembach.

Im Alter von 35 Jahren kam er 1955 in den Gemeinderat, 1961 dann in den Gemeindevorstand und 9 Jahre später, also im Jahre 1970, wurde er zum 41. Bürgermeister unserer Marktgemeinde Lembach gewählt.
Er hatte diese ehrenvolle Funktion ganze 14 Jahre hindurch inne, eine Zeitspanne, welche in der 150-jährigen Geschichte unserer Marktgemeinde von keinem Bürgermeister übertroffen wurde.

Während seiner Tätigkeit als Bürgermeister wurde um 1975 zunächst die schon bei der Eröffnung zu klein gewesene Hauptschule um 7 Klassenräume erweitert.
Anschließend wurde in den Jahren 1979 bis 1983 die 6-klassige Volksschule neu gebaut und die später nach unserem Lembacher Olympiasieger benannte Alfons Dorfner-Halle errichtet.
Weil das Friedhofsgebäude in einem äußerst desolaten Zustand war, wurde 1976 von der Gemeinde beim Friedhof die neue Aufbahrungshalle errichtet.

1979 wurde der Wasser-Hochbehälter erweitert und mit einer Entsäuerungsanlage ausgestattet, da das Wasser-leitungsnetz und natürlich auch das Kanalnetz auf Grund der starken Siedlungstätigkeit ständig erweitert wer-den musste. Der Start für den 2. großen Kanal- und Kläranlagenbau – welcher heuer nach 18 Jahren abge-schlossen werden konnte, fällt noch in die letzten beiden Amtsjahre von Bürgermeister ÖR Hötzendorfer.

Auch der Ausbau der Güterwege und Siedlungsstraßen war ein Schwerpunkt seiner Bürgermeistertätigkeit, wozu 1972 ein neuer Unimog angekauft werden musste, um auch eine ordentliche Schneeräumung zu gewähr-leisten.
Es ist erst gute 25 Jahre her, dass unter Bgm. Hötzendorfer in Lembach die Müllabfuhr eingeführt wurde und diese wichtige Maßnahme war damals noch umstritten.

Auch die Einführung der Straßenbezeichnungen fällt in seine Amtszeit.
1982 wurde im Bereich der Sportanlagen die Regulierung des Daglesbaches vorgenommen, welche die Vor-aussetzung für die ab 1983 folgende Erneuerung und Erweiterung des Sportplatzes war.

Als der Schilift in Lembach 1983 von den Besitzern eingestellt werden sollte kaufte die Gemeinde den Lift und setzte Sanierungsmaßnahmen, um ihn später wieder an einen privaten Betreiber verkaufen zu können.
Nach jahrelangen Bestrebungen der Gemeinde, erstmals einen größeren Mietwohnbau zu errichten, konnten 1983 dann die ersten 15 WSG-Mietwohnungen übergeben werden.

Eine gut ausgerüstete Feuerwehr war ihm immer ein großes Anliegen: So wurde die Lembacher Feuerwehr in seiner Amtszeit erstmals sowohl mit einem Tanklöschfahrzeug als auch mit einem eigenen Rüstfahrzeug aus-gestattet.

Als Bürgermeister war ÖR Hötzendorfer natürlich auch Mitglied im Sparkassenrat der Sparkasse Lembach.
In seine Amtszeit fällt 1980 der schwierige, aber gelungene Zusammenschluss von 6 Gemeindesparkassen zur Sparkasse Mühlviertel-West. Für diese Verdienste wurde er mit der Goldenen Ehrennadel des Sparkassen-verbandes ausgezeichnet.

Der kulturelle Bereich in der Gemeinde lag Altbürgermeister Hötzendorfer immer am Herzen: Bekanntlich wurden im Weltkrieg wegen Rohstoffmangel alle Kirchenglocken eingeschmolzen. Als dann Anfang der 50er Jahre auch in Lembach wieder Kirchenglocken beschafft werden sollten, kam Alois Hötzendorfer sofort zu einer ehrenvollen Funktion mit der tollen Bezeichnung „Kirchenglockenkomiteeobmann“.

1976 wurden im Rahmen der 350 Jahr-Gedenkfeiern zum OÖ Bauernkrieg auch Lembacher Kulturtage ab-gehalten und in diesem Zusammenhang eine Fassadenaktion im Ortskern durchgeführt.
Auch die Bestrebungen, in Lembach eine Landesmusikschule zu errichten, gehen in die Amtszeit des Verstor-benen zurück: 1978 wurde in den Räumlichkeiten der Hauptschule ein Musikschul-Filialbetrieb der LMS Rohrbach aufgenommen.

Für seine Verdienste als Bürgermeister wurde ÖR Hötzendorfer am Ende seiner Tätigkeit 1984 mit dem Gol-denen Verdienstzeichen der Republik Österreich geehrt.
Viele Jahre gehörte ÖR Hötzendorfer auch der Bezirksgrundverkehrskommission an.
Und als Obmann des örtlichen Jagdausschusses hat er es immer verstanden, ausgleichend zwischen Jäger-schaft und Bauernschaft zu wirken.

Auch im bäuerlichen Genossenschaftswesen war Altbürgermeister Hötzendorfer natürlich kein Unbekannter: Von 1961 bis 1976 war er Aufsichtsratsvorsitzender der Lagerhausgenossenschaft Lembach.
Fast im selben Zeitraum – von 1961 bis 1974 – bekleidete er die Obmannstelle der Molkereigenossenschaft Lembach und war in dieser Zeit auch Aufsichtsratsmitglied der Ennser Milchverwertungsgenossenschaft.
Als Anerkennung für diese langjährige Tätigkeit im Genossenschaftswesen bekam Altbgm Hötzendorfer die Silberne Raiffeisen-Plakette überreicht.

Im Jahre 1961 wurde er in die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer für OÖ gewählt, wo er bis 1979 als Kammerrat tätig war.
Für sein verdienstvolles Wirken und seinen persönlichen Einsatz im Interesse seines Berufsstandes wurde er im Herbst 1978 vom Bundespräsidenten auch mit dem Berufstitel „Ökonomierat“ ausgezeichnet.

Und als nach dem Abzug der russischen Besatzungsmacht 1959 der Kameradschaftsbund Lembach gegründet wurde, war er eines der Gründungsmitglieder und in der Folge ein sehr aktives Mitglied, wofür ihm das Sil-berne Verdienstzeichen und die Ehrenurkunde des Kameradschaftsbundes verliehen wurde.

ÖR Hötzendorfers große Vorliebe aber galt dem Musikverein Lembach, bei welchem er im Jahr 1967 die Ob-mannstelle übernahm.
Dies in einer äußerst schwierigen Zeit, in welcher unsere Musikkapelle echte Existenzprobleme durchmachte.

Und so erwarb sich Altbürgermeister Hötzendorfer beim schwierigen Wiederaufbau unserer Musikkapelle, bei der Neueinkleidung sowie bei der Neuanschaffung von Instrumenten Anfang der 70er Jahre besonders große Anerkennung. Ganze 23 Jahre stellte er sich mit großem, persönlichem Einsatz dem Musikverein als Obmann zur Verfügung und wurde dafür mit Recht zum Ehrenobmann ernannt und mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Blasmusikverbandes ausgezeichnet.

Faszinierend waren sein Geschichtswissen über und seine Leidenschaft zum Heimatort Lembach. Großartig war auch sein handwerkliches Geschick bis ins höhere Alter. Zwei großartige, maßstabgetreue Modelle vom Ort Lembach in früheren Jahrhunderten sowie zahlreiche Modelle von alten landwirtschaftlichen Gebäuden und Geräten stehen im Lembacher Heimatmuseum.

Lembach wird Altbürgermeister ÖR Alois Hötzendorfer ein gebührendes Andenken bewahren.

Profilbild von Marktgemeinde Lembach
Marktgemeinde Lembach Herbert KUMPFMÜLLER Öffentliche Einrichtung
Verfasst am: 22.10.2000
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