Samstag, 29. Juni 2024 – Petrus mit dem Schlüssel, haut den Paulus nur ein bissl ..

DAS WORT ZUM SONNTAG - Predigt von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER


Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Vor kurzem habe ich einmal einen aufs Erste etwas kindisch anmutenden Spruch über die Apostel Petrus und Paulus gehört. Er lautet: „Petrus mit dem Schlüssel, haut den Paulus nur ein bisserl. Paulus mit dem Schwert, haut den Petrus bis er plärrt.“

Predigt hl. Apostelfürsten Petrus und Paulus, 29.6.2024 Perikopen: 2 Tim 4,6-8.17-18 Mt 16,13-19
für die Pfarren in Oberkappel, Altenhof, Lembach

Samstag, 29. Juni 2024
Hochfest der Apostelfürsten Hl. Petrus und hl. Paulus

Nicht der Todestag der beiden Apostel wird heute gefeiert, sondern die vermutliche Übertragung ihrer Reliquien in die Katakombe an der Via Appia, nahe bei der heutigen Kirche San Sebastiano. Das heutige Fest wird zum ersten Mal im römischen Staatskalender von 354 erwähnt. Simon, Bruder des Andreas, stammte aus Betsaida in Galiläa, war verheiratet, von Beruf Fischer. Jesus gab ihm den Namen Kephas = „Fels“ (woraus lat. Petrus wurde). Petrus wird in allen Apostelverzeichnissen als Erster genannt. Nach dem Weggang Jesu übernahm er die Führung der Gemeinde in Jerusalem. Er nahm auch den ersten Heiden in die Kirche auf (Apg 10, 11). Sein Aufenthalt in Rom und sein Märtyrertod unter Kaiser Nero (zw. 64 und 67) können als historisch gesichert gelten.
Als Todesjahr des Paulus wird 67 genannt. Früher gab es am 30. Juni noch einen besonderen Gedenktag des heiligen Paulus; er steht seit 1970 nicht mehr im römischen Kalender; stattdessen hat das Fest der Bekehrung des heiligen Paulus (25. Januar) einen höheren Rang erhalten. (Quelle: erzabtei-beuron.de)

FOTONACHWEIS: Bild von Peter Tóth auf Pixabay

Wofür stehen Petrus und Paulus (Schlüssel und Schwert)?

Auch wenn Petrus und Paulus sich nicht immer ganz verstanden haben, wie wir aus dem biblischen Befund erschließen können, so sind ihre Attribute, Schlüssel und Schwert, keine Kampfwerkzeuge gegeneinander. Sie stehen für den guten Kampf für die Sache Jesu und für das Bewahren der Treue, wovon Paulus im Timotheusbrief schreibt. Es sind zwei herausragende Apostelgestalten, die wir heute feiern Der eine wird dargestellt mit dem Schlüssel als Attribut, der andere mit dem Schwert. Beide stehen und auf ihre je eigene Weise für das Werden der frühen Kirche. Schon die Berufung und Bekehrung der beiden lässt auf ihre unterschiedliche Bedeutung für die ersten christlichen Gemeinden schließen. Und sie führt uns gleichzeitig das recht unterschiedliche Leben der beiden Apostel vor Augen. So wollen wir auf beide Apostel mit ihren Attributen schauen.

Petrus hat den Schlüssel zum Himmelreich, zu Jesus

Erstens: Petrus mit dem Schlüssel. Petrus wird von Jesus immer wieder direkt angesprochen. Er, der einfache Fischer, ist derjenige, dem die Schlüssel des Himmels übergeben werden. Ein Mensch, der oft schwach ist, bekommt die Schlüssel zum Himmelreich. Er ist derjenige, der immer wieder mit Überraschungen zu rechnen hat und mit diesen Überraschungen klar kommen muss. Petrus verlässt sein gewohntes Leben, seine Familie, seinen Arbeitsplatz, um mit dem ihm zunächst unbekannten Jesus zu gehen. Er ist der, der den Herrn dreimal verleugnet und dreimal nach seiner Liebe zu Jesus gefragt wird. Er fällt schnell in alte Muster zurück.

Flexibel sein, sich auf Neues einlassen

Petrus ist dann aber auch derjenige, der sich auf ganz Neues und Anderes einstellen kann. Ein ganz entscheidendes Thema der frühen Kirche, ob man nämlich zunächst im jüdischen Glauben leben müsse, um Christ werden zu können, hätte sehr schnell das Ende der sogenannten „Heidenmission“ bedeutet. Hätte man daran festgehalten, hätte das Christentum nicht lange existieren können. Hier hat Petrus einen für ihn anstrengenden und intensiven Lernprozess durchgemacht. Er ist dann dafür eingestanden, dass die Menschen, ohne die gesamten jüdischen Vorschriften einzuhalten, Christen werden konnten. Dafür steht unter anderem der Schlüssel. Hier zeigt Petrus seine Schlüsselfunktion zwischen der jüdischen Tradition und der Notwendigkeit, für Nichtjuden einen eigenen Zugang zur Kirche zu schaffen. Dafür steht er mit seiner ganzen Autorität ein. Ich glaube, auch heute braucht die Kirche diese Schlüsselfunktion im Dialog mit einer Gesellschaft, denen die Sache Jesu eher gleichgültig geworden ist. Die Schlüsselfunktion ist notwendig, damit immer wieder Menschen den Zugang zu Gott finden und ihnen nicht durch oft zweitrangige Äußerlichkeiten der Glaube versperrt bleibt. Jeder von uns hat im gewissen Maß Anteil an dieser Schlüsselfunktion. Jeder von uns hat die Möglichkeit sich selber und anderen das Reich Gottes zu erschließen, oder auch zu verschließen.

Paulus kämpft mit dem Schwert der Unterscheidung

Zweitens: Paulus und das Schwert. Paulus hat ein heftigeres Bekehrungs- und Berufungserlebnis hinter sich. Er, der gebildete Pharisäer, der mit ungeheurem Einsatz die für ihn neue Irrlehre bekämpft, erfährt diesen Christus drastisch. Drei Tage ist er blind, er muss mit Menschen klar kommen, die Angst vor ihm haben, und muss sich auf sie einlassen. Es wirft ihm das Schwert der Verfolgung aus der Hand. Er hat wahrscheinlich Mühe zu begreifen, was mit ihm eigentlich vorgeht. Und er ist selbstkritisch genug, sich selber in Frage zu stellen, sich umzukrempeln. Aus Saulus wird Paulus. Ohne Paulus wäre die neue Lehre kaum zu so vielen Menschen gekommen. Er schwingt das Schwert der Verkündigung, das die Herzen der Menschen für den Meister erobert. Er ist der Völkerapostel.

Paulus beseitigt religiöse Vorschriften, die keinen Nutzen haben

Und er ist bereit, sich mit den Ältesten, sogar mit Petrus anzulegen, damit die Verbreitung des Glaubens nicht dadurch Fesseln angelegt bekommt, dass Hürden aufgebaut werden, die die Menschen nicht erfüllen können: Vorschriften, die nicht zum Wesen des christlichen Glaubens gehören. In der Lesung aus dem Brief an Timotheus wird deutlich, wie sehr Paulus innerlich und äußerlich kämpft und dass er sich selbst nicht schont, aber auch die Menschen nicht, die sich dem Glauben in den Weg stellen. Durch das Schwert erleidet Paulus den Märtyrertod. Dieses Attribut passt zu ihm. Nicht als kriegerisches oder als Mordwerkzeug, sondern als Zeichen dafür, dass unser Glaube auch heute unseren Einsatz fordert.

Auch wir heutigen Christen dürfen und müssen nicht zu allem JA und AMEN sagen

Das Schwert zeigt uns, dass unser Glaube und damit wir selber auch heute nicht zu allem, was geschieht, innerhalb und außerhalb der Kirche, Ja und Amen sagen dürfen. An manches haben wir uns wohl zu viel angepasst und zu wenig Parole gezeigt. Die Feinde der Kirche wären wohl nie so laut geworden, wenn wir nicht zu oft und zu vornehm geschwiegen hätten. An das Bibelwort „Verkünde das Wort, gelegen oder ungelegen“ haben wir wohl zu wenig gedacht. Paulus hat Gott und den Menschen im Blick, und von Gott her verkündet er für die Menschen den Glauben.

Liebe Brüder und Schwestern!

„Petrus mit dem Schlüssel, haut den Paulus nur ein bisserl. Paulus mit dem Schwert, heut den Petrus bis er plärrt.“ Dieser etwas kindischen anmutende Spruch hilft uns vielleicht, dass wir es uns besser merken uns mit diesem Schlüssel und diesem Schwert auseinander zu setzen. Schlüssel und Schwert: Petrus und Paulus. Sie bringen zwei entscheidende Weisen des Christentums zum Ausdruck. Sie sind auch heute wichtig, damit wir den christlichen Glauben in seiner befreienden und erlösenden Kraft zu den Menschen bringen können: Den Glauben, den uns die Apostel überliefert haben und den wir heute durch unser eigenes Lebenszeugnis an die Menschen weitergeben dürfen. Bitten wir die beiden Apostel Petrus und Paulus, deren Hochfest wir heute feiern, dazu um ihre Fürsprache.
AMEN.

Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))


BILDNACHWEIS

  • Bild OBEN:

LINKS

KONTAKT

H. Maximilian Pühringer O.Praem
Pfarramt Lembach
Marktplatz 13
4132 Lembach

e-mail: pfarre.lembach@dioezese-linz.at
Tel: +43 (0)7286 8214
+43 (0)676 88084811
Fax: +43 (0)7286 8214

Kanzleistunden:
Dienstag 17:00 – 18:00 Uhr
Mittwoch 9:15 – 11:45 Uhr

Profilbild von Wort zum Sonntag (G)
Wort zum Sonntag (G) Pfarre Lembach Religion
Verfasst am: 30.06.2024
Zugriffe: 41