
Sonntag, 31. August 2025 – Etwas aus seinem Leben machen ohne überheblich zu werden
DAS WORT ZUM SONNTAG - Predigt von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER -
Wer erniedrigt sich gern selbst, freiwillig? Sind diejenigen, die das tun, nicht ein wenig dumm, Menschen ohne Selbstwertgefühl, Menschen, die die Verantwortung scheuen ..
Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Altenhof, Lembach, Neustift
Bescheidenheit ist eine Zier, doch leichter geht es ohne ihr
„Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Ein herausforderndes Wort Jesu. Drei Gedanken dazu. Erstens: Wer erniedrigt sich gern selbst, freiwillig? Sind diejenigen, die das tun, nicht ein wenig dumm, Menschen ohne Selbstwertgefühl, Menschen, die die Verantwortung scheuen, die nicht zu sich selber stehen und sich minderwertig vorkommen? Ist es nicht natürlich, sich zu positionieren und etwas gelten zu wollen? Ist es nicht ganz normal etwas leisten und Anerkennung finden zu wollen? Wer ordnet sich gerne unter? „Bescheidenheit ist eine Zier, doch leichter geht es ohne ihr.“ Angesehen ist der Unabhängige und Leistungsstarke. Gut steht da, wer sich selbst zu helfen weiß, es zu etwas gebracht hat und sich viel, vielleicht alles leisten kann. Unsere Idole sind Menschen, die den Aufstieg geschafft und Karriere gemacht haben, Menschen die sich durchgesetzt haben, oft jedoch auf Kosten anderer.
Ängste durch Leistungsideologie
Sind wir ehrlich: Schaffen nicht die Leistungsideologie und der ständige Konkurrenzkampf viele Ängste in unserer Zeit? Die Angst überholt und abgehängt zu werden? Die Angst, nicht mehr mithalten zu können, auf der Strecke zu bleiben? Die Angst, krank und pflegebedürftig zu werden? Die Angst nicht mehr gebraucht zu werden? Wird die dauernde Wettbewerbssituation nicht zur Wettbewerbsneurose, die das zufriedene Menschsein gefährdet? Wie gesagt, es ist nicht verwerflich, wenn jemand etwas aus seinem Leben machen will. Dieses Streben und Verlangen steckt in jedem gesunden Menschen. Doch wie nahe liegt die Versuchung, sich über andere zu erheben? Wie nahe liegt die Gefahr, stolz und überheblich zu werden? Wie viele Probleme und Streitigkeiten haben darin ihren Grund, dass sich jemand übervorteilt, nicht genügend beachtet, sich zurückgesetzt oder übergangen fühlt? Wie viel Missgunst, Neid und Eifersucht haben hier ihre Wurzeln? Wie viele Familien zerbrechen an internen Machtkämpfen? Ehrsucht und Machtsucht können gnadenlos sein, menschliche Beziehungen ruinieren und großes Unheil anrichten.
Jesus mahnt zu Bescheidenheit
Zweitens: Es geht um Demut und Bescheidenheit. Jesus geht es im heutigen Evangelium nicht um Anstandsunterricht. Es geht ihm nicht um Tischsitten. Er mahnt zu rechter Bescheidenheit und Demut. Damit liegt er natürlich nicht im Trend der Zeit, weder damals noch heute. Er kämmt die gesellschaftliche Wirklichkeit sozusagen gegen den Strich. Ein treffendes Beispiel ist die Erzählung vom Pharisäer und vom Zöllner im Tempel, die wir in wenigen Wochen hören werden. Der eine stellt sich ganz vorne hin und zählt auf, was er alles hat und macht und tut. Überheblich und stolz klopft er sich gleichsam selbst auf die Schultern und schaut dabei voll Verachtung auf andere herab. Der Zöllner steht ganz hinten. Er weiß, dass er nichts zu bringen und zu bieten hat, dass er vor Gott mit leeren Händen steht. Demütig klopft er an seine Brust und betet: „Gott sei mir Sünder gnädig!“
Es braucht Mut sich zu sich selbst zu bekennen
Selbsterhöhung ist Hochmut vor Gott und Verachtung anderer Menschen. Selbsterniedrigung ist Demut, ist wissen, dass ich Geschöpf bin vor dem Schöpfer, dass ich nichts aus mir selber bin und habe und dass ich immer angewiesen bin auf Gottes Barmherzigkeit. Ja, dass wir auf Gott angewiesen sind, das sollen wir wieder mehr lernen. Drittens: In dem Wort Demut steckt das Wort Mut. Demut ist der Mut zur eigenen Wahrheit, Mut, sich zu sich selbst zu bekennen. Wo dieser Mut fehlt, wird Falsches groß. Demütig ist der Mensch, der weiß, dass dieses Leben mit all seinen Möglichkeiten Geschenk ist. Demütig ist der Mensch, der noch bitten und danken kann. Demütig ist der Mensch, der weiß, wie bedürftig er ist. Das macht gütig und barmherzig auch anderen gegenüber. Entscheidend bei Gott ist nicht der Platz, den sich jemand mit seinen Ellenbogen erkämpft. Am Tisch Gottes gibt es all diese Rangordnungen nicht.
Was groß und reicht macht bei Gott
Am Tisch Gottes werden möglicherweise Unzählige Platz finden, um die wir einen Bogen machen. Die müssen wir dann aushalten, wenn wir einen Platz haben wohlgemerkt! Was groß und reich macht bei Gott, was Gewicht hat und zählt in seinem Reich, wenn ich einen Platz bekommen will am Gastmahl des ewigen Lebens, ist Liebe und Hingabe. Dienende Liebe und liebende Hingabe haben nach dem Beispiel Jesu den niedrigsten Platz eingenommen. In der Menschwerdung: „Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich…“ Bei der Taufe im Jordan: Er, der Sündenlose, stellt sich in die Reihe der Sünder. Bei der Fußwaschung: „Begreift ihr, was ich euch getan habe? Wenn ich, euer Herr und Meister,… Ich habe euch ein Beispiel gegeben…“ Am Kreuz: Da war draußen vor der Stadt zwischen zwei Verbrechern sein Platz.
Im Blick auf die Eucharistie ruft der heilige Franziskus seinen Brüdern zu: „Seht die Demut Gottes!“ Dann fordert er sie auf: „Demütigt auch ihr euch! Und behaltet nichts von euch für euch selbst zurück, damit euch ganz aufnehme, der sich euch ganz hingibt.“ „Im Anschauen seines Bildes, im Hören seines Wortes, im Folgen seiner Weisung, im Leben nach seinem Beispiel, im Gehen seines Weges…, da werden wir verwandelt in sein Bild“. Wir werden ihm immer ähnlicher. Wir kommen immer mehr in seine Spur. Wir werden immer mehr eins mit ihm. Da ist liebende Verbundenheit, lebendige Beziehung, innige Gemeinschaft mit ihm.
Liebe Brüder und Schwestern!
„Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Wer ist gerne klein, wer erniedrigt sich gern freiwillig, wo der Mensch eine Gernegroß ist? Und doch appelliert Jesus heute an unsere Demut und Bescheidenheit, wofür es viel Mut braucht. Amen.
ENDE DER PREDIGT VON PFARRER MAXIMILIAN PÜHRINGER
Aus der Bibel im heutigen Sonntags-Evangelium

Evangelium: Lukas 14,1.7–14
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
Jesus kam an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen. Da beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, erzählte er ihnen ein Gleichnis.
Er sagte zu ihnen: Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist, nimm nicht den Ehrenplatz ein! Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Vielmehr, wenn du eingeladen bist, geh hin und nimm den untersten Platz ein, damit dein Gastgeber zu dir kommt und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.
Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich wieder ein und dir ist es vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.
Bildnachweis: FPP AI
Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))
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