Sonntag, 12. April 2026 – Der ungläubige Thomas verlangt die Ausweispapiere von Jesus

DAS WORT ZUM SONNTAG - Predigt von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER

Acht Tage sind seit Ostern vergangen. Noch einmal hören schauen wir zurück auf den ersten Ostermorgen. Die Jünger, die uns an diesem ersten Ostermorgen heute im Evangelium geschildert werden, strotzen nicht gerade vor Glaubensbegeisterung.


Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Altenhof, Lembach, Neustift

Heutiges Evangelium (siehe weiter unten)

Ganz im Gegenteil. Die Jünger sind ein verängstigter kleiner Haufen. Der Schrecken des Karfreitags sitzt ihnen noch tief in den Knochen. Sie haben sich eingesperrt und „waren aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen.“ Aber in dieser Verschlossenheit kommt der Auferstandene zu ihnen und es geschieht eine dreifache Verwandlung. Diese wollen wir anschauen. Sie darf auch an uns geschehen.

Von der Furcht zur Freude

Erstens: Wandlung von der Furcht zur Freude. Wo die Menschen am Ende sind, ist Gott noch lange nicht am Ende. Der Auferstandene kommt bei verschlossenen Türen zu seinen Jüngern. Er kommt aber nicht nur durch verschlossene Türen, sondern er schafft sich auch Zugang in verschlossene Herzen und eröffnet ihnen einen neuen Weg des Glaubens. Der Auferstandene macht den Jüngern keine Vorwürfe, weil sie ihn nach der Verhaftung fast alle im Stich gelassen haben. Stattdessen wünscht er ihnen den Frieden. Friede ist hier wirklich als allumfassender Frieden gemeint: Friede mit den Menschen, mit Gott, mit sich selber. Der Auferstandene wünscht den Seinen den Frieden und er zeigt ihnen seine Wundmale an den Händen und an seinem Herzen.

Jesus zeigt seine Ausweispapiere her

Diese Wundmale sind so etwas wie die „Ausweispapiere“ des Auferstandenen. Er weist sich damit aus und sagt, dass er kein Gespenst ist, sondern derselbe, der am Kreuz gestorben ist. Der Auferstandene zeigt seine Wunden und ermutigt uns dazu, auch zu den Schwachstellen und Wunden unseres eigenen Lebens zu stehen, auch zu unserer Angst und Verwundbarkeit, die uns in diesen Tagen ganz neu vor Augen geführt wird. Die Begegnung mit dem Auferstandenen, der den Jüngern seine Wundmale zeigt, verwandelt ihre Furcht in Freude: „Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.“ Die Freude, die aus dem Glauben kommt, bedeutet eine tiefe innere Freude, die sich nicht allein von äußeren Umständen abhängig macht, sondern vor allem aus der Dankbarkeit erwächst. Aus einer Dankbarkeit über erwiesene Solidarität, aus einer Dankbarkeit für kleine Zeichen der Verbundenheit, aus einer Dankbarkeit für das Leben überhaupt. Zweitens. Verwandlung vom Zweifel zum Glauben.

Der Ungläubige Thomas hilft unserem Glauben

Hier kommt die Gestalt des Thomas ins Spiel. Er wird als der sogenannte „ungläubige Thomas“ bezeichnet. Aber schon der Kirchenvater Augustinus sagte vor 1700 Jahren, dass der Unglaube dieses Thomas uns mehr geholfen hat als der Glaube der anderen Jünger. Seine Wunde des Unglaubens hilft uns, unsere eigenen Wunden der Ungläubigkeit und des Kleinglaubens zu heilen. Jesus nimmt den Zweifel des Thomas und sein „Begreifen-wollen“ ernst und sagt zu ihm: „Steck deine Finger hierher aus und siehe meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Allein schon dieses Ernstgenommen-Werden scheint in Thomas etwas verwandelt zu haben. Es ist schlimm nicht ernst genommen zu werden. Ich fürchte das geschieht oft. Der Auferstandene nimmt Thomas ernst.

Mein Herr und mein Gott

Und überwältigt von der Liebe des Auferstandenen spricht er eines der kürzesten und schönsten Glaubensbekenntnisse des Neuen Testamentes: „Mein Herr und mein Gott!“. Die Wunden des Auferstandenen werden zum Begegnungsort mit Gott. Dort, wo wir ihn am wenigsten vermutet hätten, zeigt er seine Gegenwart: In der Erniedrigung Jesu am Kreuz, in der durchlittenen Gottverlassenheit, in der Verwundbarkeit, die im Licht von Ostern zu einem Zeichen der Liebe Gottes wird. Es gibt den Zweifel, es gibt den Unglauben im Leben. Der Herr will es verwandeln. Wir dürfen nach und nach Glaubende werden. Es gibt die Leere im Glauben, aber durch den Kreuzestod Jesu ist Gott selber solidarisch in diese Leere eingetreten und hat sich damit zum Verbündeten des Menschen auf seiner Sinn- und Gottsuche gemacht.

Jesus verlässt uns nie

Drittens: Verwandlung vom äußeren zum inneren Sehen Thomas durfte sehen, aber Jesus sagt schließlich: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Der Glaube des Thomas macht uns Mut, unsere Zweifel auszusprechen, Leere auszuhalten und Einwände zu benennen. Der Glaube des Thomas macht aber auch Mut zum Trotzdem-Glauben. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Wir leben in unsicheren Zeiten. Der Blick auf vieles ist getrübt. Viele Ungewissheit ist heute da, wie es weitergeht in Kirche und Welt. Hier tut es gut, unser Leben mit seinen Wunden im Licht des Auferstandenen zu sehen. Auch wenn wir ihn äußerlich nicht sehen, verlässt er doch seine Jünger nicht. Die Hoffnung und die Freude, die von ihm ausgehen, sind schon 2000 Jahre ansteckend. Wir dürfen es dem Auferstandenen auch heute zutrauen, dass er sich neu Zugang zu unseren verschlossen Herzen verschaffen kann, und vor allem dürfen wir innerlich sehend werden.

Liebe Brüder und Schwestern!

Christsein heißt an die Wandlung Glauben und in Wandlung leben. Der Auferstandene verwandelt die Jünger, Thomas und wohl auch uns. Es ist die Wandlung von der Furcht zur Freude, vom Zweifel zum Glauben, vom äußeren zum inneren Sehen. Möge diese Verwandlung auch an uns geschehen. Amen.


Aus der Bibel im heutigen Sonntags-Evangelium


Sonntags-Evangelium
Evangelium, ​Johannes 20,19–31

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Thomas, der Dídymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei.  Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Die aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Bildnachweis: FPP AI


Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))


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Verfasst am: 12.04.2026
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