
Sonntag, 4. Jänner 2026 – Despoten wie Herodes verkörpern die zerstörerische Kraft der Angst um Macht und Einfluss
DAS WORT ZUM SONNTAG - Predigt von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER -
Noch einmal hören wir in den Johannesprolog. Gott spricht sein Wort in die Welt und es nimmt Fleisch an. Und dann ist da die etwas verstörende Aussage: „Er kam in sein Eigentum, aber die seinen nahmen ihn nicht auf.“
Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Altenhof, Lembach, Neustift
Heutiges Evangelium (siehe weiter unten)
Die Ablehnung Gottes gipfelt in den Märtyrern
Die Möglichkeit der Ablehnung Gottes durchzieht die ganze Heilsgeschichte bis zum heutigen Tag. Es wird auch an zwei Folgefesten von Weihnachten deutlich. Bereits am 26. Dezember ist der Erzmärtyrer Stephanus und am 28. Dezember die heiligen unschuldigen Kinder. In den Märtyrern wird dieser Satz immer konkret, weil ER abgelehnt wird, haben sie für Christus das Blut vergossen. Ich möchte heute die Predigt nützen, um etwas über die Unschuldigen Kinder zu sagen. Das kann auch durchaus ein interessantes Thema sein.
Die Ermordung von Kindern in Ägypten
Drei Gedanken dazu. Erstens: Ein Rückblick ins Alte Testament. Eine Kindermorderzählung gibt es bereits im Alten Testament, im Buch Exodus. Das Volk Israel ist in Ägypten. Sie sind versklavt und müssen für den Pharao hart arbeiten. Das Volk Israel vermehrt sich zu stark. Der Pharao lässt es dezimieren. Die Neugeborenen sollen getötet werden. Einer überlebt, Mose. Er wird später das Volk in die Freiheit führen.
Die Ermordung von Kindern in Betlehem
Die Erzählung hat der Evangelist Matthäus gewählt für seinen Bericht vom Kindermord in Betlehem. Matthäus ist der Evangelist bei dem das Alte Testament in Jesus Erfüllung findet. Jesus, der Neugeborene, wird durch die Flucht nach Ägypten gerettet. Er wird zum neuen Mose, zum endgültigen Retter und Befreier der Menschen in seinem Tod und seiner Auferstehung. Mose hat das Gesetz, die Thora gegeben. Das braucht Jesus nicht mehr. Er schenkt dem Menschen Gnade und Wahrheit. „Das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit kamen durch Jesus Christus.“ Die biblische Erzählung vom Kindermord zu Betlehem ist ohne die Erzählung vom Kindermord in Ägypten nicht zu verstehen. Das Neue Testament braucht das Alte. Das gilt hier und in vielen anderen Bereichen. Das Christentum hat seine Wurzeln im Judentum. Das haben wir in der Geschichte leider zu oft vergessen, und das hat zu ganz viel Leid für das auserwählte Volk Gottes geführt. Z
“Das Christentum hat seine Wurzeln im Judentum“
„Herodes der Große“ ist nur für die Geschichtsschreiber „groß“
Zweitens: Der Kindermörder Herodes. Von der Geschichtsschreibung wird dieser Herodes „der Große“ genannt, weil er ein vergleichsweise großes Territorium lange Zeit regierte und ein großer Bauherr war. Auch die Aufstockung des Jerusalemer Tempels sowie die weitläufige Erweiterung von dessen Vorhof wurde unter der Regierung des Herodes begonnen. Doch unternahm dieser Herrscher all dies wohl nur, um die Gunst seiner jüdischen Untertanen zu gewinnen. Ebenso zeigte Herodes sich nämlich als freigiebiger Bauherr auch in nicht-jüdischen Städten, um sich bei der Bevölkerung beliebt zu machen. Doch hinter der Fassade des baufreudigen Königs verbarg sich ein blutrünstiger Tyrann, der selbst die eigenen Kinder nicht verschonte, wenn er um seinen Thron fürchtete. Von seiner Eifersucht ließ er sich dazu hinreißen, diejenige unter seinen zehn Ehefrauen zu töten, die ihm am liebsten war.
„Es ist besser ein Schwein zu sein, als ein Sohn des Herodes“
Herodes der Tyrann
Aus Angst um seine Macht ließ er sogar seine eigenen Söhne umbringen. Man sagte damals: „Es ist besser ein Schwein zu sein, als ein Sohn des Herodes.“ Das war eine Anspielung. Das Schwein galt nämlich bei den Juden als unrein und wurde nicht geschlachtet. Von den Römern wurde Herodes zum König der Juden ernannt. Mit Hilfe ihres Militärs setzte er seinen Anspruch auf die Herrschaft durch und behielt sie über dreißig Jahre lang. Gegen Ende seiner Regierungszeit aber kamen dann weise Sterndeuter nach Jerusalem, um nach einem neugeborenen König der Juden zu fragen.
Herodes (damalige „Regierung“) will die weisen Sterndeuter (damalige „Wissenschaftler“) für seine bösen Zwecke einspannen
Den Herodes, der bereits so viel Blut vergossen hatte, um seine Regentschaft abzusichern, muss dies erschüttert haben. Er wusste ja, dass ihm kein Kind zu dieser Zeit geboren worden war. Es konnte sich also nur um einen rechtmäßigen Herrscher handeln. Da von den Propheten der angekündigte König aus der Wurzel Jesse hervorgehend in Bethlehem zur Welt kommen sollte, schickte Herodes die Weisen dorthin. Sie sollten Nachforschungen anstellen und ihn benachrichtigen. Auf Grund einer im Traum offenbarten Weisung kehrten diese jedoch auf einem anderen Weg in ihre Heimat zurück, nachdem sie den Heiland angebetet und Ihm ihre Geschenke dargebracht hatten.
„Herodes, du mordest den Leib der Kleinen, aber die Furcht mordet dein Herz.“
Herodes sah sich hintergangen, als die Weisen nicht wie er es gefordert hatte, zu ihm zurückgekehrten. So ordnete er an, alle Knaben Bethlehems bis zum Alter von zwei Jahren umzubringen. Ein Kirchenschriftsteller des 5. Jahrhunderts schreibt: „Herodes, du mordest den Leib der Kleinen, aber die Furcht mordet dein Herz.“ Die Furcht um Einfluss und Macht kann viel zerstören. Das war bei Herodes so und das ist bis heute so.
Leidende Kinder zu aller Zeit
Drittens: Kinder, Unschuldige Kinder heute! Die unschuldigen Kinder erinnern uns an alle Kinder die leiden müssen: Kinder, die hungern und frieren; Kinder in Flüchtlingsfamilien, wie das Jesuskind selbst; Kinder in Kriegs- und Krisengebieten der Welt; ungeborene Kinder; Kinder, die nie die Liebe der Eltern erfahren, weil sie nicht gewollt sind. Diese Erinnerung ist wichtig. Das wird dann etwas verheutigt. Und wir begehen diese Erinnerung im Blick auf dieses eine Kind, Jesus Christus, das zur Welt gekommen ist.
Zeit nehmen für unser eigenes Kindsein
Dieses Kind sagt uns, dass es nicht nur uns Menschen, sondern auch Gott gibt. Mehr: es sagt uns, dass Gott mit und für uns ist. Dieser Gott ist eben nicht bloß Ewigkeit, sondern er hat auch Zeit für uns Menschen. Er hat sogar so viel Zeit, dass er sich einlässt auf jene Phase des Kindseins, die in unseren Augen unproduktiv ist, weil sie nur aus Essen und Schlafen besteht. Genau dazu möchte uns der Weihnachtsfestkreis ermutigen, dass wir Zeit haben zum Kindsein, zum Kind Gottes sein, und zum Menschsein. Dass wir Zeit haben für uns selber und das Kind in mir, für Gott und die Menschen. Dadurch entsteht der wichtige Wert der Treue. Treue kann nur aus dem Zeithaben kommen. So will uns das Weihnachtsgeheimnis auf den Weg bringen, damit wir wahrhaft Kinder Gottes heißen und auch Kinder Gottes sind.
„Wir sehen in der Gestalt der Herodes, wozu die Furcht um Einfluss und Macht fähig ist“ (Pfarrer Maximilian)
Liebe Brüder und Schwestern!
„Er kam in sein Eigentum, aber die seinen nahmen ihn nicht auf.“ Das gilt zu allen Zeiten. Von den Unschuldigen Kindern können wir lernen, dass wir das Neue Testament nie ohne das Alte verstehen können und Jesus der neue Mose, der endgültige Befreier ist. Wir sehen in der Gestalt der Herodes, wozu die Furcht um Einfluss und Macht fähig ist. Und wir denken an die vielen unschuldigen Kinder heute und lassen uns durch das Geheimnis der Weihnacht auf den Weg bringen, auf den Weg der Gotteskinder, dass wir nicht nur Kinder Gottes heißen, sondern es in Wahrheit auch sind. Amen.
ENDE DER PREDIGT VON PFARRER MAXIMILIAN PÜHRINGER
Aus der Bibel im heutigen Sonntags-Evangelium

Evangelium
Johannes 1, 1–5.9–14 (oder Johannes 1, 1–18)
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
Bildnachweis: FPP AI
Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))
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