Sonntag, 15. März 2026 – Warum der Pfarrer heute Rosa trägt

DAS WORT ZUM SONNTAG - Predigt von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER

Wir haben uns wohl daran gewöhnt, dass es zwei Sonntage im Jahr gibt, wo die liturgische Farbe rosa getragen wird, sofern ein derartiges Messgewand vorhanden ist. Ich habe es in meinen Pfarren eingeführt für den dritten Adventsonntag, und für den heutigen vierten Fastensonntag.


Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Altenhof, Lembach, Neustift

Heutiges Evangelium (siehe weiter unten)

Zwischen Spaß und Freude: Was uns das rosa Gewand verrät

Es geht hier um die Vorfreude auf die Erlösungsfeste Weihnachten und Ostern. Die beiden Sonntage haben die lateinischen Wörter Gaudete (Advent) und Laetare (Fastenzeit). Gaudete meint ein inneres Freuen, Latare steht für eine Freude, die sich nach außen zeigt. Das Lateinische hat also zwei Wörter für Freude. Im Deutschen sprechen wir auch von Freude, wobei das Wort Spaß häufiger verwendet wird. Es sind jedoch zwei ganz unterschiedliche Wörter über die wir an diesem Sonntag einmal nachdenken dürfen. Drei Gedanken dazu.

Schadenfreude ist die Freude des Bösen

Erstens: Macht Spaß immer Freude? Ich sage Nein. Jeder, der im Schulbetrieb ist, der weiß, dass Schüler oft einander sekkieren oder mitunter mobben. Und da muss man sagen, dass dies vielleicht Spaß bereitet, aber wirklich Freude bereitet es keinem, höchsten Schadenfreude. Aber die Schadenfreude ist eben nicht die schönste Freude, wie das oft so gesagt wird, nein, die Schadenfreude ist, und das darf man ruhig einmal so drastisch sagen, die Freude des Teufels. Die kann ein Christ beim besten Willen nicht brauchen. Er weiß, dass die wahre Freude von Gott kommt. Oder ein anderes Beispiel. Jeder, der ein Studium über Jahre gemacht hat weiß, dass es nicht immer Spaß macht. Es macht nicht immer Spaß hinter den Büchern zu sitzen und sich stundenlang eine Seite nach der anderen hineinzuziehen, aber wenn einem im ganzen Lernen, in der Theologie war es zumindest so, nach und nach Zusammenhänge und Einsichten aufgehen, und wenn man dann mit dem Studium endlich fertig ist, bereitet das einem Freude. Es gibt wohl noch viele Beispiele dafür, aber Spaß macht nicht immer Freude, es bleibt oft oberflächlich oder einseitig.

Spaß und Vergnügen als Abkürzung zum Glück?

Zweitens: Drehen wir jetzt das Ganze um. Bereitet Freude immer Spaß? Sicher auch nicht. Spaß und Freude sind nämlich zwei verschiedene Gefühle, oder sagen wir besser zwei verschiedene Arten und Weisen, wie man Dinge im Leben anpackt. Man kann es mit Spaß anpacken, der vergeht oft schnell, oder man kann es mit Freude aus dem Inneren anpacken. Das hält meist länger. Das Glück sollen wir suchen. Der Spaß ist, denke ich so eine Art Umweg oder Abkürzung zum Glück, weil es meist um Nützliches und Angenehmes geht. Die Philosophen haben hier, das ist mir jetzt wieder einmal aus dem Studium eingefallen, von zwei Gütern gesprochen, vom „bonum utile“ und „bonum concupiscibile“. Aber wie gesagt, es ist eine Abkürzung, die uns der dauerhaften Freude, dem ewigen Glück nicht wirklich näher bringt.

Von der Finsternis ins Licht

Drittens: Wir sollen zur Freude finden, aber wie? Es ist dann, wenn wir wissen worum und wozu wir leben. Wir entdecken das ja oft in den kleineren Dingen unseres Lebens, dass es sich einfach lohnt etwas auf uns zu nehmen, weil es dem Herzen Freude schenkt, weil es bleibt. Es gibt diese Taborstunden im Leben, die irgendwie bleiben, wo zumindest dauerhafte Überreste der Freude da sind. Und genau das sollten wir für das Gelingen unseres Lebens im Ganzen entdecken, dass es sich einfach lohnt mit dem Herrn und auf den Herrn hin zu leben. Dass es dem Leben schon jetzt einen Mehrwert an Freude schenkt, und wir dann das erwarten, was uns auf immer und ewig glücklich machen darf. Im Epheserbrief wird das Ganze heute sehr schön mit dem Gegensatz von Licht und Finsternis ausgedrückt: „Einst ward ihr in der Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Denn das Licht bringt Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor“ wir könnten hier wohl auch Freude ergänzen. Wenn wir uns von Gott anblicken lassen, dann leben wir im Licht, leben wir in der Freude.

.. und erlöse uns von dem Bösen, damit wir den Weg der Freude gehen können

Und so sagt uns der Herr heute nichts anderes als: „Geh auch du den Weg der Freude.“ Wir können ihn gehen, weil wir wissen, dass Ostern wieder kommt, Fest der Erlösung vom Tod, Fest des Sieges über alle Finsternis und Freudlosigkeit. Freilich geht man den Weg nicht automatisch. Manchmal ist es mühsam, ohne Zweifel. Aber wir können ihn gehen, weil diese Freude doch schon immer wieder durchblitzt und wir dafür sehend werden dürfen und es auch können. Das ist ja die Botschaft des heutigen Evangelium, dass wir sehend werden, nicht durch lange Diskussionen, wer Schuld hat, sondern durch den Glauben. Und dann können wir diesen Weg gehen, indem wir sinnvoll leben und handeln, und vor allem vernünftig und ausdauernd glauben. Freilich müssen wir dem Herrn immer wieder Bitten, dass er uns erlöse von allem, was uns auf diesem Weg aufhält und hindert, vor allem Schein des bloß Nützlichem und Angenehmen, im rein Irdischen Sinn. „Erlöse uns von dem Bösen,“ ist hier eine ganz wichtige Bitte im Vater unser. Vielleicht regt sie den einen oder anderen von uns doch wieder einmal zu einer Osterbeichte an, auch wenn zuvor schon länger keine war. Und dann gehen wir den Weg weiter und sehen hinter allem Vergänglichen, doch das Wertvolle und Bleibende.

Liebe Brüder und Schwestern!

Das rosarote Messgewand ist doch mehr als eine liturgische Spielerei oder eine Modelook des Pfarrers. Es will uns anregen zu unterscheiden zwischen Spaß und Freude. Dass wir eben nicht die Abkürzung über den Spaß gehen, sondern den Weg der Freude, dass Gott mit uns geht und er das er das Ziel unseres Lebens in ewiger Freude ist. Da wird uns eine große Hoffnung geschenkt für die wir die Augen öffnen dürfen. Und so schließe ich mit einem anderen Wort aus dem Epheserbrief, wo das Thema Sehen des heutigen Sonntags noch einmal zu Sprache kommt: „Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr berufen seid.“ Freilich die Augen dürfen wir nicht zukneifen, um den Weg der Freude zu finden und nachzujagen. Amen.

ENDE DER PREDIGT VON PFARRER MAXIMILIAN PÜHRINGER


Aus der Bibel im heutigen Sonntags-Evangelium


Sonntags-Evangelium
​Johannes 9,1.6–9.13–17.34–38 (Langfassung: Joh 9,1–41)

In jener Zeit sah Jesus unterwegs einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus spuckte auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte.

Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich.

Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet.

Der Mann sagte: Er ist ein Prophet. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.
Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, der mit dir spricht. ​

Bildnachweis: FPP AI


Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))


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Wort zum Sonntag (G) Josef REINTHALER Religion
Verfasst am: 15.03.2026
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