Sonntag, 20. September 2026 – Für Gottes wunderbare Schöpfung danken und sie bewahren

DAS WORT ZUM SONNTAG | von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER

Erntedank ist ein Fest, das sich nur im Blick auf die Schöpfung Gottes feiern lässt. Wir glauben an einen Gott, der Freude hat am Schaffen und Hervorbringen. Wir glauben an einen Gott, der uns in sein Schöpfungswerk hineingesetzt hat, das nicht nur am Anfang gut war, sondern gut ist bis heute.


Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Lembach, Neustift
Die Predigten müssen für Lembach nicht immer genau passen,
da diese an verschiedenen Sonntagen in den betreuten Pfarren abgehalten werden.

Heutiges Evangelium (siehe weiter unten)

Hineinlegen und herausnehmen

Die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit, die freilich durch die große Hitze des heurigen Jahres gefährdet waren, verdanken sich der guten Schöpfung unseres Gottes. Auf diese Schöpfung dürfen wir heute schauen. Drei Gedanken dazu. Erstens: Was lege ich in die Schöpfung hinein und was hole ich heraus? Zu Erntedank dürfen wir aus der Schöpfung viele gute Gaben herausholen, wir dürfen ernten. Aber, um nächstes Jahr wieder ernten zu können, müssen wir auch wieder säen. Um etwas herausholen zu können, müssen wir auch etwas hineinlegen, im rechten Verhältnis, in einem halbwegs ausgeglichenen Verhältnis. „Wer mit Segen sät, wird mit Segen ernten.“ Ich fürchte, dass uns dieses rechte Verhältnis etwas abhandengekommen ist. Wir holen gerne viel heraus, sehr viel, aber vergessen oft hineinzulegen bzw. die Schöpfung rasten und verschnaufen zu lassen. Was habe ich hineingelegt in die Schöpfung und was herausgeholt? Stimmt das Verhältnis halbwegs? Ein bisschen mehr Hineinleger sollten wir sein, nicht nur Herausholer. Und dabei sollen wir doch das Bewusstsein haben, dass Gott Wachstum und Gedeihen schenkt.

Bitten und Danken

Mit dem Erntedankfest verbinden sich auch die drei Tage vor Christi Himmelfahrt, die Bitttage. Wir bitten den Herrn um Wachstum und Gedeihen. Wir bitten für die Schöpfung. Zum Erntedankfest steht dann der Dank für viel Gereiftes und Empfangenes. Erntedank bringt an den meisten Orten noch viele Menschen in die Kirche, Gott sei Dank. Die Bitttage schon leider weniger. Wie steht es da um das rechte Verhältnis von Bitten und Danken? Die Bitte und der Dank müssen an die richtige Adresse gehen, nach oben zum Gott. Wir haben einen Gott für die Bitte und den Dank und wir brauchen neues Bewusstsein für den Segen Gottes, den Erntesegen. An Gottes Segen ist alles gelegen. Das gilt für alles, was ich in die Schöpfung hineinlege und für alles, was ich heraushole.

Geschwisterlich mit der Schöpfung

Zweitens: Die Schöpfung im Geist des Franz von Assisi verstehen. Am 3. Oktober jährt sich zum achthundertsten Mal der Todestag des heiligen Franz von Assisi. In seinem Sonnengesang, ein großer Lobgesang auf den Schöpfer (GL 864), bringt er sein Schöpfungsverständnis gut zum Ausdruck. Zuerst loben die drei Gestirne am Himmel Sonne, Mond und Sterne Gott. Franziskus vergleicht die Sonne mit Gott in ihrer Schönheit und Macht. Ohne Sonne und Gott gibt es kein Leben, ohne Sonne und Gott ist es dunkel, ohne Sonne und Gott erfriert der Mensch und jedes Lebewesen. Von der Sonne können Mond und Sterne das Licht reflektieren. Nach den Gestirnen treten die vier Elemente der Erde zum Lobpreis an. Wohlgemerkt: Im Sonnengesang danken nicht wir Menschen Gott für die Sonne, die Erde und die Blumen, sondern diese selbst loben und danken Gott. Mir gefällt, dass Franziskus diese als Bruder und Schwester der Menschen bezeichnet. Die Schöpfung ist für mich kein Gegenstand, den ich nütze und ausbeute, sondern sie ist als Bruder und Schwester vor und durch Gott mit mir eng verbunden. Franziskus lädt uns ein, der Schöpfung geschwisterlich zu begegnen, immer wieder auch verzeihend. Spannend finde ich, für welche Eigenschaft des Menschen Franziskus besonders dankt. Es ist die Fähigkeit zu verzeihen. Die Strophe hat einen konkreten Hintergrund.

Sonnengesang zur Versöhnung

Der Bischof und der Bürgermeister von Assisi waren unversöhnlich in Hass und Streit geraten. Franziskus lädt sie beide zu sich ein und sie kommen. Zwei Brüder singen den Sonnengesang mit der neuen Strophe von der Versöhnung und das Wunder geschieht. Es gelingt Versöhnung. Franziskus weiß, wie herausfordernd und radikal Versöhnung ist. So dichtet er: Gelobt seist du, mein Herr, für alle, die verzeihen aus Liebe zu dir. Vergebung gelingt demnach nicht aus eigener Motivation und Leistung, wohl aber aus Liebe zu Gott. Das ist die große Chance und das Angebot in der Nachfolge Jesu, auch für die Schöpfung, die Gott einmal ganz heimholen wird. Kurz vor seinem Tod fügt Franziskus noch eine Strophe hinzu, in der sogar der Tod aufgefordert wird, Gott zu loben. Am Sterbebett lässt er sich von seinen Brüdern diese Strophe und den ganzen Sonnengesang vorsingen. Mit diesen Worten will er sterben. Franziskus spricht vom doppelten Tod. Der erste Tod ist der irdische Tod, die Trennung von Leib und Seele. Dieser ist für ihn wie eine Schwester, die ihn zu Gott begleitet und führt. Er ist nicht Feind, sondern Freund. Vor dem zweiten Tod hingegen warnt Franziskus. Dieser ist die ewige Trennung von Gott nach der Auferstehung. So bittet und ringt er, dass wir uns von Gott suchen lassen und den Kontakt mit Gott nicht abbrechen. Ja, der Sonnengesang ist nicht nur ein liebliches und stimmungsvolles Lied. Es geht um das Entscheidende im Leben. Der Sonnengesang endet mit einer neuerlichen Aufforderung, als Mensch Gott zu loben. So schließt sich der Kreis mit dem Anfang. Der Sonnengesang kann auch als poetisch dichtes Glaubensbekenntnis des heiligen Franziskus angesehen werden. Lobt und preist meinen Herrn und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut, dient ihm auch in der Schöpfung, zu der wir ein gottbezogenes und geschwisterliches Verhältnis haben dürfen.

Der Mensch – Krone der Schöpfung

Drittens: Der Mensch als Krone der Schöpfung. So sieht der biblische Schöpfungsglaube den Menschen. Der Mensch als Krone der Schöpfung. „Du hast den Menschen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“ Der Mensch kann den Schöpfer erkennen, ihn loben und preisen. Das macht ihn zur Krone der Schöpfung.

In manche Ohren klingt das heute als Hohn, wohl auch weil viel Überdruss des Menschen an sich selbst da ist, leider. Es gibt Stimmen, die den Menschen als Übel in der Schöpfung sehen. Der Mensch kann freilich der Schöpfung übel schaden, aber er ist von Gott her nicht Übel der Schöpfung. Ein solcher Zugang wäre Ausdruck von Undank und Verzweiflung. „Magnifica humanitas, großartiges Menschsein“ betitelt Papst Leo seine erste Enzyklika. Der Mensch ist keine Rechenmaschine. Er hat eine Seele, die Gott erkennen kann, und ein liebesfähiges Herz. „Von der Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen“, heißt es im Alten Testament. Durch uns, seine Geschöpfe, preist Schöpfung den Schöpfer. In der Schöpfung können wir Schöpfer lieben. Deshalb sollen wir nicht verzweifeln, sondern uns einfach bemühen, unsere Berufung würdig zu leben, um Krone der Schöpfung zu sein.

Liebe Brüder und Schwestern!

Erntedank lädt uns ein, gut auf die Schöpfung zu schauen, uns in den Schöpferblick Gottes hineinzuversetzen und hineinzubeten. Wir sollen darauf achten, was wir in die Schöpfung legen und was wir herausnehmen, mit einem guten Verhältnis von Bitte und Dankbarkeit. Wir dürfen ein geschwisterliches Schöpfungsverhältnis haben, wie der heilige Franz von Assisi, und vor allem gilt es, unsere Berufung als Krone der Schöpfung echt und authentisch zu leben. Amen.


Bibel: das heutige Sonntags-Evangelium


Evangelium nach Matthäus 20,1–16

Gleicher Lohn für alle?

Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso.

Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten! Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar.

Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denar. Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin? So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.

Bildnachweis: FPP AI


Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))


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Verfasst am: 20.09.2026
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