Sonntag, 20. September 2026 – Zuerst Nein, dann Ja

DAS WORT ZUM SONNTAG | von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER

Eine unangenehme Sache für das miteinander gerade im Blick auf Echtheit, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit ist das sogenannte Lippenbekenntnis. Wenn einer etwas nicht tut, was er sagt, dem wird man über kurz oder lang nicht mehr glauben.


Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Lembach, Neustift
Die Predigten müssen für Lembach nicht immer genau passen,
da diese an verschiedenen Sonntagen in den betreuten Pfarren abgehalten werden.

Heutiges Evangelium (siehe weiter unten)

Leere Versprechen

Leere Versprechen begegnen uns nicht nur in Wahlkampfzeiten. Es wird generell oft viel geredet und wenig getan. Das ist irgendwie ein Spiegelbild für unsere Gesellschaft. Auch im Glauben ist es so. Es nützt nichts nur „Herr, Herr“ zu sagen und die Konsequenzen fehlen zu lassen. Es genügt nicht wenn auf Formularen römisch katholisch dort steht, wenn es denn überhaupt noch dort steht o.B., ohne Bekenntnis zu sein, wird immer mehr in. Die Frage ist ob und wie wir als Christen leben. Der Schriftsteller Erich Kästner meinte einmal: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Dazu drei Gedanken im Blick auf das heutige Evangelium.

Inkonsequent

Erstens: Inkonsequent. Beide Söhne im Gleichnis sind inkonsequent, und wir wahrscheinlich auch. Dem ersten kommt das Ja schnell über die Lippen, aber es folgt nichts. Der zweite zeigt dem Vater zunächst die kalte Schulter, besinnt sich jedoch schnell eines Besseren. „Zwei Seelen ruhen ach in meiner Brust,“ heißt es schon in Göthes Faust. Man lässt sich schnell zu einem Ja breit treten, wenn uns der Nachbar um etwas bittet, und dann tauchen wir ab, finden Ausreden, ärgern uns, dass wir so schlecht nein sagen können. Und manchmal kommt uns auch das Nein, mitunter sogar ein barsches nein über die Lippen, verbunden mit dem Sager „Da wird sich doch jemand finden.“ Manchmal bleiben wir beim Nein, manchmal ändern wir vielleicht doch noch unsere Meinung und tun anders, schlagen einen anderen Kurs ein. Konrad Lorenz hat hierzu ein schönes Wort gesagt: „Was gesagt ist, ist noch nicht gehört. Was gehört ist, ist noch nicht verstanden. Was verstanden ist, ist noch nicht getan. Was getan ist, ist noch nicht beibehalten.“ Vom Sagen zum Beibehalten ist es oft ein sehr langer Weg. Und vielleicht könnten wir unser persönliches Leben wieder einmal auf unsere persönliche Inkonsequenz hin abklopfen.

Einsicht

Zweitens: Es gibt auch die späte Einsicht. Wenn ein Ja durch ein nein gebrochen wird, ist das etwas anderes, als wenn ein Nein durch ein Ja gebrochen wird. Eine späte Einsicht, eine Einsicht, die später kommt, ist bei weitem besser, als wenn jede Einsicht fehlt. Das ist besser als die Ja-Sager mit Nein-Handlungen. Jesus hat hier jene im Blick, die in Israel etwas zu sagen hatten, die Hohepriester, Ältesten und Schriftgelehrten des Volkes. Sie sind von sich so überzeugt, dass sie Jesus nicht brauchen. Sie haben schon der Botschaft Johannes des Täufers nicht geglaubt. Mit den Nein-Sagern hat Jesus die gesellschaftlich ausgegrenzten im Blick, die Zöllner und Sünder. Mit ihnen setzt er sich an den Tisch und sagt ihnen das Heil zu. Wie der Nein-Sager sein Nein durchbricht, so ändern die Sünder/Innen ihr Leben. Sie lassen sich auf den ein, der sie von den Hecken und Zäunen weggerufen hat, und setzen auf ihn sein Vertrauen. Sie machen sich auf den und gehen doch in den Weinberg. Ich kann mein Leben als Sünder überdenken, vielleicht komme ich zu einer neuen, einer späten Einsicht. Heißer Tipp dafür wäre mein Reden, meine Kritik, mein Schimpfen, wie schaut es da aus? Und gibt es in meinem Leben die Grundeinsicht, dass ich ein Sünder bin? Viele Menschen sagen: „Ich habe halt meine Fehler.“ Das stimmt, wir haben alle unsere Fehler. Der Sünder schafft eines: „Er bringt seine Sünden in den Zusammenhang mit Gott. Sünde heißt ja absondern von Gott. Ist mir das bewusst?

Alltagstauglich

Drittens: Es braucht einen Glauben, der im Alltag taugt. Beide Typen im Evangelium stecken wohl in uns, keine Frage. Das „Ja, selbstverständlich, aber bitte nicht genau.“ Und das „Nein, jetzt passt es wirklich nicht. Selbstverständlich müsste was geschehen, aber doch nicht durch mich. Schick andere vor.“ Eines ist klar: Die Begeisterung alleine reicht nicht. Es kommt darauf an in den Weinberg zu gehen und Arbeit zu leisten, mitunter harte Arbeit. Wer mit frommen Sprüchen einerseits daherkommt, oder mit Misstrauen andererseits, der bleibt zurück. Die Eigentlich Glaubensarbeit, geschieht nicht hier in der Feier des Sonntages, an dem wir zugerüstet werden für die Arbeit. Die eigentliche Glaubensarbeit geschieht im Alltag. „Da kann ich nicht, da muss ich in die Arbeit,“ höre ich öfter. „Da kann ich, da muss ich für den Glauben arbeiten,“ habe ich noch nie gehört.

Ein Rabbi hat einmal Folgendes gemeint: „Die größte Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht, sondern sie besteht darin, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut.“ Verbinden wir das Ganze noch mit der gegenwärtigen Praxis der Feier der Sakramente im Blick auf Typ Nummer eins im Evangelium: Man sagt ja bei der Feier von Taufe, Erstkommunion, Firmung und bei der kirchlichen Trauung. Man sagt Ja, keine Frage. Aber damit ist es leider bei vielen, nicht bei allen schon abgetan. Man zieht sich wieder auf das Seinige zurück und beginnt nicht mit der Arbeit im Weinberg des Herrn.


Liebe Brüder und Schwestern!

Lippenbekenntnisse reichen nicht. Es gilt an der eigenen Inkonsequenz zu arbeiten. Es gilt einzusehen ein Sünder zu sein und einen alltagstauglichen Glauben zu leben. Sollte ich mich tatsächlich auf den Weg machen. Oder genügt mir das Ankreuzen des Kästchens katholisch auf dem Formular? Das ist und bleibt die alles entscheidende Frage, die uns dieser Sonntag stellt. Sie wartet auf unsere persönliche Antwort. Amen.


Bibel: das heutige Sonntags-Evangelium


Evangelium nach ​Matthäus 20,28–32

Ich will nicht ..

Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus. Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?

Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

Bildnachweis: FPP AI


Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))


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Wort zum Sonntag (G) Pfarre Lembach Religion
Verfasst am: 27.09.2026
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