
Sonntag, 25. Oktober 2026 – Immer weniger Glaube, immer größere Strukturen – wohin führt unser Weg, auch in Lembach?
DAS WORT ZUM SONNTAG | von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Auch wenn wir uns nicht zu sehr den Zahlen und Statistiken ausliefern sollen, ist ein Blick darauf doch hin und wieder interessant, auch besorgniserregend interessant. Ich möchte heute, am Sonntag der Weltkirche, auch Missionssonntag genannt, einige solcher Blicke unternehmen.
Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Lembach, Neustift
Europäer und Christen sind die Minderheit
Erstens: In den vergangenen Tagen wurde darauf hingewiesen, dass die Bevölkerung Europas nur mehr vier Prozent der Weltbevölkerung ausmacht. Zuerst erschrickt man ein wenig und kann es fast nicht glauben. Man beginnt zu rechnen und kommt schnell drauf, dass es stimmt.
Europa verschwindet. Wir sind im Status der Bedeutungslosigkeit gelandet.
Was allgemein für Europa gilt, gilt aber auch für die kirchliche Bedeutung Europas. Auch hier ist der Zug abgefahren. Die Kirche lebt anderswo neu auf, bei uns nicht.
Wir versuchen mit allen Mitteln, den Ton und die Richtung anzugeben, unsere Probleme zu weltkirchlichen Problemen zu machen. Aber die Christen weltweit haben andere Sorgen als die europäischen Christen.
Doch das ist auch noch nicht alles. Es gibt eine große innerkirchliche Krise in allen europäischen Ländern. Die herkömmlichen Methoden der Glaubensweitergabe funktionieren nicht mehr.
Die nächste Generation übernimmt das Glaubensgut nicht, trotz Religionsunterricht, trotz pfarrlicher Kinderarbeit, trotz Kinderliturgie, trotz neuer Modelle der Erstkommunion- oder Firmvorbereitung.
Religion lässt sich nicht mehr erziehen.
Die neuen maßgeblichen Miterzieher in den Medien setzen sich mit ihren Ideen, aber vor allem auch mit ihrer Kritik an Religion, Kirche und pfarrlichem Leben mehr und mehr durch. Sie wirken hinein in unsere Vereine, auch dort, wo erfolgreiche Jugendarbeit geleistet wird.
Glaube wird mehr zur Entscheidung einiger weniger, die nicht mehr mit dem gesellschaftlichen Konsens rechnen können.
Wir sind ein Missionsland geworden.
Wir haben zwar einstweilen noch mehr Geld als viele andere, aber im Inneren sind wir hohl und ausgelaugt. Wir können die Kirche in den anderen Ländern noch finanziell unterstützen, das ist auch wichtig, aber den christlichen Glauben können wir anderswo wohl nicht mehr einpflanzen.
So ist die Lage. Es ist Faktum.
Schaffung neuer kirchlicher Strukturen, ein Hilfe ?
Zweitens: In diesen Monaten werden neue kirchliche Strukturen geschaffen, Alibilösungen meiner Meinung nach. Es werden Türschilder ausgetauscht, sonst nichts.
Ich halte es da mit der Meinung von Papst Franziskus. Er meinte: „Das Problem ist, wenn eine Pfarrei kein Eigenleben hat und durch die übergeordnete Struktur außer Kraft gesetzt und vereinnahmt wird. Denn Leben wird einer Pfarrei durch diesen Sinn für Zugehörigkeit eingehaucht.“
Übergeordnete Strukturen müssen halt irgendwie eingeführt werden, aber sie lösen keine Probleme.
Wir wüssten es längst aus Deutschland. In einer der reichsten Diözesen Deutschlands wurden bereits vor Jahren in einer Strukturreform 603 Pfarren zu rund 90 Großpfarren umgebaut. Im nächsten Jahr sollen daraus einundzwanzig Seelsorgeräume werden.
Das heißt, dass nur mehr einundzwanzig Priester in der Leitung sein werden, obwohl es dort zurzeit noch 400 Priester im aktiven Dienst gibt.
Bei uns werden es neununddreißig Großpfarren mit neununddreißig Priestern in der Leitung sein.
Wenn man die Zahlen anschaut, kann man nur fragen: Wie weit kann man noch herunterwirtschaften?
Gemeinschafts- versus Verwaltungsmodus
Drittens: Glaube lebt in Gemeinschaften und nicht in Verwaltungseinheiten.
Im letzten Diözesanblatt wurden die Pfarren des ehemaligen Dekanats Altenfelden aufgehoben und zur Pfarre Granitland zusammengeführt.
In den Begründungen zur Aufhebung der einzelnen Pfarren wird immer auch der Rückgang der Gottesdienstteilnehmer angeführt: Besuchten im Dekanat Altenfelden 1975 noch über 7.000 Christen den Sonntagsgottesdienst, so sind es jetzt 1.700 – und das trotz Bevölkerungswachstums. Die Zahl der Taufen ist massiv geschrumpft (40 Prozent), die Zahl der Trauungen beträgt nur mehr ein Viertel des früheren Wertes.
Wenn nächstes Jahr unsere Pfarren aufgehoben werden, werden unsere Zahlen nicht viel besser ausschauen – auch für Neustift ist es nicht besser, für Lembach noch drastischer, für Oberkappel einstweilen noch eine Spur besser!
DER GROSSE ZUSAMMENSCHLUSS
Die Pfarre Lembach wird ab 1. Jänner 2028 mit allen Pfarren des Dekanats Sarleinsbach zu einer neuen gemeinsamen Pfarre zusammengeführt. Dazu gehören:
- Lembach
- Sarleinsbach
- Peilstein
- Julbach
- Kollerschlag
- Oberkappel
- Pfarrkirchen im Mühlkreis
- Putzleinsdorf
- Rannariedl
- Hofkirchen im Mühlkreis
- Niederkappel
- sowie die Exposituren Neustift und Altenhof. Startveranstaltung des Dekanates Sarleinsbach
Wichtig: Das bedeutet nicht, dass Lembach seine eigene Pfarrgemeinde verliert. Lembach soll als Pfarrgemeinde mit dem kirchlichen Leben vor Ort bestehen bleiben, aber gemeinsam mit den anderen unter einer neuen Pfarrleitung stehen. Im Jahr 2027 beginnt die praktische Umstellung; am 1. Jänner 2028 soll die neue Pfarre rechtlich gegründet werden.
Wir gehen biblischen Zeiten entgegen.
Der Verlust des Gewohnten tut weh.
Wie hat Franziskus gesagt: „Leben wird einer Pfarrei durch den Sinn für Zugehörigkeit eingehaucht.“
Je mehr von uns diesen Sinn für Zugehörigkeit haben, umso stärker werden wir sein. Und je weniger ihn haben, umso schwächer werden wir werden.
Wir sollen sicher eine Andockstation sein für alle Menschen, die uns wirklich brauchen. Aber wir werden in Zukunft auch keine Servicestation für Davongelaufene unterhalten können. Das werden wir nicht schaffen, und von denen, die nur fordern und nichts beitragen, können wir uns auch nicht unter Druck setzen lassen.
Wir müssen Entscheidungen respektieren, wir brauchen sie aber auch nicht zu verneinen oder zu verharmlosen.
Wir sind in Zukunft ein Missionsland, auch mit begrenzten Mitteln. Aber nichts und niemand soll uns hindern, unseren Glauben in Gemeinschaft zu leben.
Liebe Brüder und Schwestern!
Spannende Zahlen im Blick auf die Entwicklungen. Es wird Zeit, mit der Missionsarbeit bei uns zu beginnen, zuerst bei mir selber und dann bei den anderen, damit die Kette in Gang gesetzt wird oder, besser gesagt, wieder zusammengefügt wird. Amen.
Bibel: das heutige Sonntags-Evangelium

Matthäus 22,34–40
In jener Zeit, als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie am selben Ort zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn versuchen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken.
Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Bildnachweis: FPP AI
Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))
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H. Maximilian Pühringer O.Praem
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