Sonntag, 1, November 2026 – Ist es nicht langweilig, ewig zu leben?

DAS WORT ZUM SONNTAG | von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER


Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Was meint die Rede vom ewigen Leben, wo wir die vielen bekannten und unbekannten Heiligen wissen, wo sie Qual und Tod nicht mehr berühren können?

Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Lembach, Neustift

Wofür leben wir?

Allerheiligen lässt uns in den Himmel hineinschauen, dort, wo alle Menschen, deren Liebe schon soweit ausgereift ist für die Liebe Gottes, für ewig leben dürfen. Wir dürfen heute ins ewige Leben hineinschauen. Und da drängt sich mir schon eine Frage auf: Ist es nicht langweilig, ewig zu leben? Gibt es etwas Langweiligeres als die Ewigkeit? „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ ist die am häufigsten verwendete Formel beim Abschluss kirchlicher Gebete in der Liturgie. „Das dauert ewig“ ist ja so ein Ausdruck kindlicher Langeweile. „Das kann doch nicht ewig so dahingehen“ heißt ein Einspruch, der auf Veränderung eines Zustandes zielt. Ewig bedeutet sozusagen immer und schließt anscheinend Abwechslung und Veränderung aus. Und was ist dann mit dem ewigen Leben? Ein ewiges unveränderbares so Dahingehen? Gar eine kaum erstrebenswerte Dauermonotonie? Keine positiv anregende oder neugierig machende Vorstellung? Was meint die Rede vom ewigen Leben, wo wir die vielen bekannten und unbekannten Heiligen wissen, wo sie Qual und Tod nicht mehr berühren können? Drei Gedanken dazu.

Erstens: Ist das Glaubensbekenntnis gar falsch übersetzt?

„Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ Ich weiß nicht, wer auf die Idee gekommen ist, den Schlusssatz unseres Glaubensbekenntnisses auf Deutsch genauso zu übersetzen, dass wirklich keine Freunde oder Neugier aufkommen können. Semper idem, immer dasselbe? Sowohl im feierlichen lateinischen Credo, das tausendmal vertont worden ist, als auch in den griechischen Tauf- und Bekenntnisformeln steht es eigentlich ganz anders, und zwar: „Ich glaube an das Leben der kommenden Welt, der zukünftigen Welt, die Welt der Zukunft.“ Es geht nicht um das ewig Gleiche, es geht um das Kommende und Zukünftige, um unsere Zukunft bei Gott. „Wo Gott ist, da ist Zukunft,“ hat Papst Benedikt XVI. einmal gesagt. Ich vermute dahinter nicht das ewig Gleiche im Sinne einer Fortsetzung dieses Lebens, nein ich vermute etwas Neues, nicht das immer gleiche Ewige und schon gar nicht die hinausgezogene Fortsetzung des Vergangenen. Es wird etwas Neues! Ich denke, es wird spannendes und erfülltes Leben. Aber was ist dafür wichtig?

Zweitens: Glaube an Vergebung und Gemeinschaft

Dem Glaubenssatz gehen zwei Erwähnungen direkt voraus, die man so oft nicht im Gedächtnis hat: der Glaube an die Gemeinschaft der Heiligen und an die Vergebung der Sünden. Wir glauben an die Gemeinschaft der Heiligen und Vergebung der Sünden. Das sagt uns schon, dass es ohne Gemeinschaft nicht geht, und in die muss man sich schon in dieser Welt einüben, sonst wird es in Zukunft wohl auch nicht so leicht werden. Ich muss mich schon hier gemeinschaftsfähig machen für Gott und die Menschen. Und dazu gehört auch die Vergebung der Sünden. Nun, Vergebung ermöglicht immer etwas Neues, einen Neubeginn, einen Neustart, schließt altes und Negatives ab, ist Anfang einer neuen Lebensphase oder eben einer neuen Welt. Und diese Erfahrung ermöglicht neue Beziehungen und neue Gemeinschaft, die vorher getrübt, eingeschränkt und behindert war. Das ewige Leben im Himmel gehört zusammen mit der Vergebung, die wir einander gewähren und die Gott uns gewährt. „Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ beten wir oft. Wir sollten es nicht nur beten, sondern auch ins Leben übersetzen. Und es gehört zusammen mit der Gemeinschaft versöhnter Menschen, denen es gelungen ist, viel negativ Irdisches im Vertrauen auf die Verheißungen Gottes zurückzulassen. Für sie hält Gott kommende Welt bereit, also der Möglichkeit nach für einen jeden von uns.

Drittens: Der Allerheiligenhimmel.

Der Allerheiligentag ist nicht eine kirchliche Leistungsschau der besten Christenstücke, so wie vielleicht der Nationalfeiertag die Leistungsschau des Bundesheeres mit den hoffnungsvollsten Waffen darstellt. In der kommenden Welt, an die wir uns im Bekenntnis erinnern, handelt Gott allein an uns und bringt seine Verheißungen zur Geltung. „Wir heißen Kinder Gottes und sind es,“ hat uns der Johannesbrief gesagt. Es ist gerade die einzelne menschliche Leidensgeschichte, der sich Gott stellt: den Armen, den nach Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden, den Weinenden, den Verfolgten und Geschmähten… Die menschliche Leidensgeschichte ist der große Test des Christentums schon in irdischen Tagen und sie bleibt Ausgangspunkt für die kommende Welt. Für Gott ist nichts zu gering, vor allem nicht der Geringere: „Ihn will er erheben, so wie er seinen Sohn Jesus erhoben hat aus seinem schändlichen Leid und Tod.“ Er, der die Mächtigen stürzt und die Niedrigen erhöht – wie Maria es besingt –, er vollbringt es in der kommenden Welt, eine andere Welt hat keine Zukunft bei Gott. Eine Fortsetzung der alten Verhältnisse wird ihr nicht gestattet. Im Allerheiligenhimmel ist es anders. Gewiss ehren wir heute die Namen der Opfer, die Namen der Täter erfahren keinen Ruhm und keine Ehre mehr. Der Heiligenkalender ist voll von Namen der Opfer, denen Gott Recht verschafft und dieses Recht gilt auch den namenlosen Opfern, nicht weil sie Leistungen in den Augen der Welt vorzuweisen hätten, sondern weil sie missachtet, misshandelt, entrechtet und geringgeschätzt geblieben sind im System dieser Weltzeit. Der Herr der kommenden Welt wird sie erhöhen, weil eben niemand zu gering ist für ihn, vor allem nicht der Geringste. Und ich glaube, es wird spannend in der kommenden Welt, wenn Gott alles auf den Kopf stellen wird und all die Namen der Geretteten aufleuchten werden.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir glauben nicht nur an das ewige Leben, das ist viel zu schwach. Wir glauben an das Leben der kommenden, zukünftigen Welt, über die sich leider viele Menschen keine Gedanken mehr machen. Kriterium dafür ist Gemeinschaft und Vergebung. Sie eröffnen uns den Allerheiligenhimmel. Und in diesem starken Wissen und mit festem Glauben dürfen wir bewusst auf dieses Ziel zugehen. Wir dürfen wissen, welches Leben uns da erwartet. Darauf dürfen wir festen Schrittes zugehen. In aller Selbstdisziplin dürfen wir wissen, das ist jetzt der Weg, darauf läuft es hinaus und das ist jetzt anzugehen, mit allen Mitteln, wie sie unser Glaube bereit hat, mit allem, was gut tut, dorthin zu gehen, wo alles Leben, alles Geschenk ist, das einem nie, nie mehr genommen werden kann. Der Knackpunkt zum Erreichen dieses Zieles bleibt jedoch, wie sehr und wie intensiv wir mit dem auferstandenen Herrn verbunden und in Einklang sind, wie wir das realisieren: +ER in uns, wir in +IHM und wir miteinander auf +IHN hin. Wir brauchen es selber nicht „zu erheben“. Wir überheben uns, wenn wir meinen, das müssten wir tun. +Er hat es getan. Wir brauchen keine Angst zu haben. +ER ist bei uns. Er ist bei uns und will bei uns heben. Wir dürfen uns von ihm heben lassen. Wir sind ihm sicher nicht zu schwer. Er hebt sich in seiner göttlichen Kraft sicher keinen Bruch. Amen.


Bibel: das heutige Sonntags-Evangelium


Matthäus 5,1–12a

​In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:

Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. 
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. 
Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. 
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. 
Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen.

Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

Bildnachweis: FPP AI


Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))


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Verfasst am: 01.11.2026
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