Frieden ist keine Selbstverständlichkeit

Bücherei Lembach mit Buch über die Kriegserlebnisse des Lembachers Anton REINTHALER, einem der letzten Heimkehrer Österreichs aus russischer Gefangenschaft

CHRONIK – BUCH über Kriegserlebnisse. Im Jahr 1953 wurde in Lembach das Kapitel 2. Weltkrieg mit der Heimkehr von Anton REINTHALER, einem der letzten Kriegsgefangenen Österreichs zumindest teilweise geschlossen. Österreich und weite Teile Europas haben seither Frieden. Und das ist absolut keine Selbstverständlichkeit, wie man an den weltweit deutlich zunehmenden Kriegsschauplätzen sehen kann, z.B. in der Ukraine, im immer explosiveren Nahen Osten und auch in Asien ist die Lage nur auf den ersten Blick ruhig. Und Afrika ist sowieso ein (von uns Europäern) wenig beachteter Dauerunruheherd.

Kriegserlebnisse von Anton Reinthaler

Anton REINTHALER, Johanniterstr. 44 (1902 – 1981) – wurde damals im Oktober 1953 mit einem der letzten Sonderzüge für Kriegsgefangene von Russland nach Österreich transportiert. Die letzten Heimkehrer aus Oberösterreich stiegen in Linz am Bahnhof aus und betraten nach langer Zeit wieder heimatliche Erde [Der absolut letzte offizielle Gefangenentransport nach Österreich sollte aber erst im Juli 1955 stattfinden].

Hohe Politiker, so auch der damalige Bundeskanzler und spätere Außenminister Leopold FIGL, empfingen die letzten Heimkehrer – darunter Anton REINTHALER – bereits an den Bahnhöfen in Wien bzw. Linz. Danach wurde ihnen in den Heimatgemeinden ein ehrenvoller Empfang bereitet, so auch in Lembach.

„Wir haben an diesem Tag (13. Oktober 1953)
in Lembach alle schulfrei bekommen,
um den letzten Heimkehrer
am Marktplatz gebührend zu empfangen.“

Zeitzeugin Wera JUNG erinnert sich

Schaulustige vor dem ehemaligen Pichler Gasthaus bei der Heimkehr von Anton Reinthaler aus russischer Kriegsgefangenschaft

Rückkehr mit sozialen und emotionalen Herausforderungen

Die Rückkehr der Männer aus dem Krieg brachte für viele Familien nicht nur Freude und das Ende der Ungewissheit, sondern auch soziale und emotionale Herausforderungen mit sich. Frauen hatten während der langen Abwesenheit ihrer Männer sowohl in der Familie als auch im Arbeitsleben deren Platz eingenommen. Und so traten in vielen Familien Spannungen auf.

Die Heimkehrer waren zumeist auch von den gewalttätigen Kriegserlebnissen und den Erfahrungen während der Gefangenschaft traumatisiert. Oft trugen diese ihr Trauma in die Familien hinein.

Anton REINTHALER mit Gattin Josefa kurz nach seiner Rückkehr aus Russland vor ihrer kleinen Landwirtschaft in der Johanniterstraße Richtung Raiden, auch heute noch „Breotstrum“ genannt. Derzeit ist das Haus im Besitz von Urenkel Martin REINTHALER ( EBR Reinthaler | GuterPlatz.info ). Im Hintergrund ganz links sieht man ganz klein das Hofmann-Haus in der Knechtswies.

Im Mühlviertel der Nachkriegszeit waren aufgrund der russischen Besatzung, die noch bis 1955 andauern sollte, die Auswirkungen des Krieges weiterhin sehr präsent. Auch für den Heimkehrer Anton Reinthaler. Die Russen hatten übrigens einen ihrer Schieß-Übungsstände bei der Familie Reinthaler in Breotstrum. Dort wurde sehr oft auch in Richtung Bramreith geschossen, so erzählen dies ältere Mitbürger. Interessante Details zur Besatzung der Russen im Mühlviertel gibt es hier: Der Bauer Johann BLÖCH wurde zum Vater des Mühlviertels (O.Ö. Geschichte)

Zitat Reinthaler: „Die beste Währung im russischen Gefangenenlager waren Zigaretten. Und es war auch sehr hilfreich, wenn man nach vielen Jahren Gefangenschaft leidlich russisch sprechen konnte ..“

Buch kann in Bücherei Lembach entliehen werden

Erstmals handschriftlich niedergeschrieben wurden diese Erinnerungen an die Kriegszeit von Enkel Josef REINTHALER im Jahr 1976 als 14jähriger Hauptschüler nach einem Interview mit Großvater Anton. Im Lauf der Jahre verlor man diese Niederschrift jedoch aus den Augen, wurde ganz vergessen, wurde wiedergefunden um jedoch gleich darauf wieder in der Versenkung zu verschwinden. Daher stand beim neuerlichen Auftauchen im Jahr 2022 der Entschluss fest: Es soll jetzt ein kleines Buch für die Familie aber auch für die interessierte Öffentlichkeit geschrieben werden ..

Diese bebilderte Kleinschrift über Anton REINTHALER kann nun ab sofort in der Bücherei Lembach ausgeliehen werden. Es enthält authentische und spannende Geschichten aus dem Krieg, der Flucht und der Gefangenschaft und hat nur ca. 50 Seiten inklusive Bilder. Ebenso ist ein Stammbaum der Familie Reinthaler bis zurück ins 15. Jahrhundert abgebildet.

Büchereileiterin Elfriede ORTNER hat bereits einen kurzen Blick in das Buch geworfen und freut sich über die Aufnahme dieses seltenen Zeitzeugen-Dokumentes in den Bestand der Bücherei Lembach. Josef REINTHALER (geb. 1962) hat im Jahr 2022 übrigens vier Ahnen- bzw. Familienbücher verfasst, wobei jedoch nur das kleinere Buch über Anton Reinthaler für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

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Chronik (G) Josef REINTHALER Bildung
Verfasst am: 01.05.2024
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