
Auf den Großvenediger mit bald 80 Jahren
Lembacher Reinalt Walter macht eine Bergtour auf den Großvenediger
Reinalt WALTER wird heuer noch seinen 80er feiern und hat vor ein paar Tagen am 20./21. Juli mit seinen ebenfalls nicht mehr ganz jungen Bergsteigerfreunden Edi (83) und Josef (74) eine Tour auf den Großvenediger unternommen. Wie sicher manche wissen, ist Reinalt Walter schon seit Jugendtagen gerne in den Bergen unterwegs. Neben verschiedenen Bergtouren im In- und Ausland nimmt er jährlich auch an einwöchigen Botanik-Lehrgängen teil, die meist in alpiner Umgebung stattfinden.
Auch die Größe zählt
Obwohl im Namen des Großvenedigers das Wort Venedig drinnen steckt, liegt der Großvenediger interessanterweise nicht in Italien, sondern in Österreich. Und zwar direkt an der Grenze zwischen den österreichischen Bundesländern Salzburg und Osttirol. Obwohl er lange als höchster Berg Salzburgs galt, wurde bei einer Neuvermessung 2014 festgestellt, dass sich der eigentliche Gipfel nun bereits auf Osttiroler Gebiet befindet, wahrscheinlich eine Folge von Erosion bzw. Gletscherschwund. Der Großvenediger hat übrigens mehrere offizielle Höhenangaben (3657 bis 3674), weil er ein Gletscherberg ist und somit seine Höhe variiert. Die obersten 10 bis 20 Meter bestehen aus Firn und Gletschereis, welches sich im Lauf der Jahre und Jahreszeiten immer leicht verändert. Aktuell hat sich durch viele GPS-Messungen ein Wert von 3665 bis 3667 ergeben, im Mittel 3666. Womit wir bei einer sehr biblisch anmutenden Zahl sind, welche sich interessanterweise seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit erfreut. Das nur nebenbei ..
Aufstieg beginnt bei der Johannishütte (2121)
Zuerst geht es mit dem dem Bus vom Tal bis zur Johannishütte etwa eine halbe Stunde lang ziemlich langsam und vorsichtig aufwärts. Dort erst beginnen die Kameraden mit ihrer Bergtour. Erste große Station ist das Defreggerhaus (2963). Von dort geht es über den Gletscher weiter zum Rainertörl (3421) und dann zum Gipfel (3666). Reinalt gibt zu, dass er diesmal selber ganz schön ins Schnaufen gekommen ist bei dieser luftigen Höhe. Er kann sich auch noch gut erinnern, als er 1991 im Alter von 45 Jahren den Großvenediger erklommen hat. Damals war dieser noch völlig schnee-/eisbedeckt und auch etwas anders geformt. Die klimatischen Veränderungen haben seither durchaus ihre Spuren hinterlassen. So sind laut Reinalt auch die Gletscher zum Gipfel hinauf heute viel kleiner als damals.
Warum ist nun wirklich das Wort „Venedig“ im Großvenediger enthalten?
- Die oft erzählte Geschichte (Sage), man könne vom Gipfel des Großvenedigers bis nach Venedig sehen, ist laut allen modernen Vermessungen falsch. Das Problem ist hierbei nicht einmal die Erdkrümmung wegen der Entfernung von 200 km bis nach Venedig, weil dafür würde ein Berg mit geschätzt 2500 bis 3000 Meter schon reichen. Das Hauptproblem sind die Berge dazwischen. Man bräuchte wohl eine Gipfelhöhe von 4500 bis 5000 Meter, damit diese gern erzählte Geschichte wahr würde.
- Viel wahrscheinlicher ist somit folgendes: Im Mittelalter und der frühen Neuzeit zogen regelmäßig Händler aus Venedig über die Alpen. Sie brachten Luxuswaren, die man nördlich der Alpen kaum bekam: feine Stoffe, Gewürze, Glaswaren, Schmuck, Medizin, .. Diese Händler wurden im Alpenraum oft einfach „Venediger“ genannt – egal ob sie wirklich aus Venedig kamen oder nur Waren aus Venedig führten. Sie nutzten verschiedene Übergänge über die Tauern, darunter auch Wege im Bereich der heutigen Venedigergruppe. Die Einheimischen nannten die Gegend, in der diese Händler auftauchten, dann einfach „beim Venediger“ oder „Venedigerberg“. Der höchste Gipfel dieser Region bekam dann irgendwann den Namen Großvenediger. Und die umliegende Gebirgsgruppe heißt deshalb Venedigergruppe.
„Gesundheit in meinem Alter ist ein Geschenk„
Alter schützt vor Fitness nicht
Jedenfalls eine tolle Leistung, wenn man in diesem Alter noch so sportlich unterwegs ist. Berg- und Waldluft scheinen einfach sehr gut für die Gesundheit zu sein. Reinalt Walter sieht es als besonderes Geschenk an, dass man in seinem Alter noch ausreichend gesund ist und so aktiv sein darf.
Bezüglich Alter. Da fällt einem auch ein gewisser Luis Trenker ein – eine österr. Berg- und TV-Legende. Der Luis Trenker ist ja sogar mit 90 noch in den Bergen herumgekraxelt. Daher kann wohl auch Reinalt mit seinen Bergkameraden in den kommenden Jahren noch den einen oder anderen Berg bezwingen.
Streckenführung zum Großvenediger
Noch ein paar Impressionen
(c) Reinalt Walter und Bergkameraden











