
Sonntag, 12. Juli 2026 – Wo das Wort Gottes hinfällt
DAS WORT ZUM SONNTAG | von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER
Mitten im Sommer, wenn das Getreide auf den Feldern reif wird, legt uns die Kirche das bekannte Gleichnis vom Sämann und den vier Möglichkeiten, was aus dem Ausgesäten werden kann, zum Bedenken vor.
Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Altenhof, Lembach, Neustift
Heutiges Evangelium (siehe weiter unten)
Das Gleichnis vom Sämann
Auch wenn sich die Saatmethoden gewandelt, wenn die weit ausholende Geste des Sämanns der modernsten Technik gewichen ist, so ist, denke ich, dieses Gleichnis doch für jeden von uns leicht verständlich. Wir dürfen von zwei Perspektiven aus darauf schauen. Einmal von oben, von der Perspektive des Sämanns, und einmal von unten, von der Perspektive des Erdreiches.
Wo das Aussähen Erfolg hat und wo nicht
Erstens: Die Sicht des Sämanns. Ja, da sagt uns das Gleichnis, es gibt Erfolg und Misserfolg für den Sämann des Wortes Gottes. Vermutlich spricht Jesus zu verunsicherten Jüngern, die ratlos sind, weil Jesu Predigt und ihre Predigt oft wenig angenommen wird, wenig Frucht bringt. Gerade diejenigen, die verstehen könnten, wollen nicht verstehen. Denken wir da an letzten Sonntag, als Jesus sagte: „Ich preise dich Vater, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, dem Unmündigen aber offenbart hast.“ Jesus musste erfahren, dass sich die Gebildeten und Schriftgelehrten seinem Wort verschlossen hatten. Die Armen und Unmündigen nahmen ihn auf, und folgten ihm. Unmündige im Sinne Jesu sind nicht die Dummen, die nicht für sich selber reden können. Nein, Unmündige sind Menschen, die wissen, dass es schon einen Sinn hat, warum der Schöpfer uns einen Mund und zwei Ohren gegeben hat, ja einen Mund und zwei Ohren, nicht umgekehrt. Der Glaube kommt vom Hören.
Worte des ewigen Lebens
Die wichtigsten Worte im Leben dürfen wir uns sagen lassen und nicht selber sagen. Es sind Gottes Worte, Worte des ewigen Lebens. Jede Erneuerung der Kirche ist aufmerksames Hören auf sein Wort und bemühtes Befolgen. So geschieht Erneuerung der Kirche. Alles andere ist nicht Erneuerung der Kirche, sondern Umbau der Kirche, aus einem bloßen Vereinsdenken heraus.
Ohren als Antennen für das Wort Gottes
Zweitens: Die Sicht des Erdreiches. Es kommt auf das Erdreich an, das heißt auf die Ohren und Herzen der Menschen. Jesus, der beste und glaubwürdigste Prediger, musste erfahren, dass sich Menschen von ihm abwandten und kein gutes Erdreich da war. Nach der Brotrede gingen viele Weg und sagten: „Was er sagt ist unerträglich, wer kann das Anhören?“ Jesus hält niemand fest, er verbilligt aber auch die Preise nicht. Er fragt Petrus und die Jünger: „Wollt auch ihr weggehen?“ Ja, wenn das Erdreich nicht bestellt ist und scheinbar nichts aufgeht. Wie den Jüngern, geht es uns Priestern immer wieder, und letztlich uns allen. Ich denke da an viele Eltern und Großeltern, die oft traurig sind und wie ein Sämann vor einer kümmerlichen Ernte stehen. Man hätte sich bemüht zu helfen das Erdreich im Herzen aufzubereiten, aber das zarte Pflänzchen hat der sengenden Sonne von Kirchen- und Glaubenskritik nicht standgehalten.
Mut und Entschiedenheit
Um heute den Glauben öffentlich zu leben, braucht es viel Mut und Entschiedenheit. Früher musste man sich entscheiden nicht in die Kirche zu gehen, heute muss man sich entscheiden zu gehen. Es ist heute sicher weit mehr persönliche Reife verlangt, als in vermeintlich besseren Zeiten früher. Aber die äußeren Zeichen der Zugehörigkeit, so wichtig sie sind, sind doch nicht das einziges Kriterium. Vielleicht sollten wir uns doch nicht zu sehr an die Zahlen und Statistiken ausliefern, wie wir das zu oft tun. Wer weiß, wann das Samenkorn das man versucht bei Erstkommunion und Firmung auszustreuen, vielleicht doch noch aufgeht. Manches Korn muss vielleicht über lange Jahre der Kirchendistanz überwintern, bis der Boden des Herzen umgepflügt wird, d.h. durch Lebenserfahrung bereit ist, dass es doch noch Frucht bringt. Das eigene Erdreich aufbereiten, durch das Evangelium und die Worte der Predigt, die wir aufnehmen sollen, um empfänglicher Boden zu sein.
Einen fruchtbaren Boden bereiten
Das Erdreich ist die Sicht von unten. Von Gott geht immer die Initiative aus, aber er möchte, dass wir mittun mit Verantwortung und Freiheit, dass die Initiative von oben bei uns unten ankommt. Ja, es gibt diese verschiedenen Böden im Gleichnis, wohl auch in jedem von uns. Der Fels, indem nichts eindringen kann und alles abprallt. Ja, ist es nicht oft auch bei mir so, dass mich 1000 Gedanken quälen und dann noch irgendeine Wut, ein Zorn, ein Kummer daherkommt, und ein Wort des Herrn bei mir keine Chance hat. Was ist bei mir hinderlich, dass der Same des Wortes Gottes in mein Herz eindringen kann? Was soll ich da loslassen? Oder auch eine schnelle Begeisterung, und dann wird in der Arbeit oder am Stammtisch wieder über die Kirche geschimpft, und ich falle. Guter Boden darf ich sein, das heißt treu sein im Beten, Auseinandersetzung mit der Bibel, den Glauben regelmäßig in der Kirche feiern, aber auch Gewissenserforschung und Beichte. Das ist Bereiten eines fruchtbaren Herzen, eines fruchtbaren Bodens.
Liebe Brüder und Schwestern!
Es gibt die Sicht des Sämanns und die Sicht des Erdreiches. Die Sicht von oben und von unten. Auf diese Sichtweisen dürfen wir uns einlassen. Wir dürfen fruchtbares Erdreich sein, damit der Same des Wortes Gottes auch in uns eindringen möge, um reiche Frucht zu bringen. Der Same ist das Wort Gottes, der Sämann Christus, wer Christus findet, der bleibt in Ewigkeit. Amen.
Bibel: das heutige Sonntags-Evangelium

Evangelium nach
Matthäus 13, 1–9
Wer Ohren hat, der höre!
An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn.
Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es.
Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.
Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre!
Bildnachweis: FPP AI
Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))
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