Sonntag, 19. Juli 2026 – Gib dem Unkraut eine Chance

DAS WORT ZUM SONNTAG | von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER

Vom Himmelreich erzählt Jesus den Menschen immer wieder in Gleichnissen, die man eigentlich leicht verstehen kann. „Mit dem Himmelreich ist es so und so…“ Das Himmelreich ist scheinbar etwas anderes, als diese Welt, wie wir sie vorfinden.


Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Altenhof, Lembach, Neustift

Heutiges Evangelium (siehe weiter unten)

Weltreich wird zu Himmelreich

Es wirkt aufs Erste fast wie eine Gegengröße zur Welt. Aber Jesus ist überzeugt, dass bereits diese Welt dem Himmelreich immer ähnlicher werden kann. „Mache du die Welt nach und nach zum Himmelreich,“ wäre sein Auftrag. Er lädt uns ein Himmelreicharbeiter/Innen zu sein. Wie funktioniert unsere Welt und wie funktioniert das Himmelreich? Drei Gedanken im Blick auf die drei Gleichnisse, die uns Jesus heute erzählt hat.

Himmelreich: Gib dem Unkraut eine Chance

Erstens: Im Himmelreich hat man Geduld mit dem Bösen. Man wartet bis man das Unkraut wirklich als Unkraut erkennt. Es gibt die gute Saat, die aufgeht, denken wir hier an das Gleichnis vom Sämann vom vergangenen Sonntag. Es gibt den Weizen der heranwächst, um später zu Brot zu werden, das den Menschen ernährt. Es gibt die Weizenteile in jedem Menschen, die heranwachsen, die sich auswachsen, damit der Mensch dem Menschen zum Brot wird. „Als Brot für viele Menschen hat uns der Herr erwählt. Wir leben füreinander und nur die Liebe zählt,“ heißt es in einem modernen geistlichen Lied. So funktioniert das. Der gute Weizen, das Brot, Lebensgrundlage für alle, nicht bloß für viele, muss wachsen. Das Himmelreich ist quasi eine Bäckerei. So funktioniert Himmelreich.

Es gibt aber auch das Unkraut. Jesus sagt eindeutig, dass es vom Bösen kommt. Allerdings lässt sich das Böse nicht immer sofort als Böses erkennen. Es braucht Zeit, bis das Unkraut wirklich als Unkraut zutage tritt. Unsere Welt gibt dem Unkraut oft wenig Chance. Einmal Unkraut immer Unkraut. Es glaubt nicht daran, dass aus Unkraut Weizen werden kann. Menschlich ist es auch unmöglich. Bei Gott jedoch ist nichts unmöglich. Gott glaubt an die Besserung der Welt und des Menschen. Bei Gott kann sogar aus Unkraut Weizen werden. Es gilt ein gutes Gespür für Gut und Böse, für Unkraut und Weizen zu entwickeln. Das vermag die Welt oft nicht, weil sie sich schwer tut an die Möglichkeiten und Geduld Gottes zu glauben, weil sie mehr an die eigenen Möglichkeiten glaubt und oft ungeduldig ist. So funktioniert das Himmelreich und so funktioniert unsre Welt. Arbeiter am Himmelreich glauben zuerst einmal an Gottes Möglichkeiten und versuchen sehr geduldig Unkraut und Weizen zu unterscheiden lernen. Ein Psalmwort ist dafür Programm: „Meide das Böse und tue das Gute!“

Himmelreich: Ganz klein wird ganz groß

Zweitens: Im Himmelreich kann aus etwas ganz Kleinen etwas Großes Wachsen. Aus einem Senfkorn, es ist das kleinste unter den Samenkörnern, kann einer der größten Bäume werde, in dessen Zweigen sogar die Vögel nisten können. Aus etwas ganz Kleinem wird mit viel Vertrauen, mit viel Gottvertrauen, etwas ganz Großes. Das ganz Kleine hat die Chance ganz groß zu werden. So funktioniert das Himmelreich. Und wie funktioniert unsere Welt? Ganz anders! Das ganz Kleine hat wenig Chance. Wir tun uns schwer an die Kraft und Möglichkeiten zu glauben, die im Kleinen stecken. Wir glauben eher an die Möglichkeiten des Großen. Großes soll noch Größer werden, Fülle soll zu Überfülle gesteigert werden. Wir sind mehr vom Selbstvertrauen angeleitet und auf das Vermehren und Steigern, auf das immer mehr, immer größer, und immer schneller zu setzen. Wo die Welt so funktioniert, bleibt das Kleine auf der Strecke, kommen die Kleinen unter die Räder. Deshalb stopp. Fange klein an. Vertraue Gott, dass aus deinen kleinen und unscheinbaren Kräften Großes werden kann, wie aus dem Senfkorn ein großer Baum. Aber fange ganz klein an und glaube an die Kraft des Kleinen in dir. Tue es von Gott her und auf Gott hin, der seine große Herrlichkeit in das Kleine hineinlegt, sogar in ein ganz kleines Senfkorn. Das wird ebenfalls in einem Lied ausgedrückt. „Lass uns deine Herrlichkeit, sehen auch in dieser Zeit und mit unserer kleinen Kraft suchen was den Frieden schafft erbarm dich Herr.“ Das Himmelreich funktioniert von den kleinen Kräften her, nicht umgekehrt.

Himmelreich: Einfach mal machen

Drittens: Im Himmelreich muss man beginnen, muss man einfach anfangen. Das tut die Frau im Gleichnis. Sie beginnt den Sauerteig in drei Sea Mehl zu mischen. Drei Sea Mehl sind keine Kleinigkeit. Es sind ca. 50 Kilogramm Mehl und daraus kann Brot für ca. 150 Menschen werden, also bei Gott keine Kleinigkeit. Die Frau beginnt einfach mit dem Durchmischen. Sie fängt einfach mit der Arbeit an.“Coepi – heute fange ich an,“ so schrieb der heilige Papst Johannes XXIII. in seinem Tagebuch öfters im Blick auf sein geistliches Leben. So funktioniert das Reich Gottes, dass das Kleine das Große durchmischt und durchsäuert. Ich habe Chance, ich habe Möglichkeit, aber ich muss einfach anfangen und beginnen. Die Welt meint oft, dass sie fertig ist. Das Himmelreich ist nie fertig. Ich muss täglich anfangen und beginnen, damit Himmelreich neu werden kann, ja neu geboren werden kann. Das Himmelreich kann man letztlich nicht machen. Es muss geboren werden, auch unter Wehen und Geburtsschmerz. Aber ich muss anfangen und beginnen. „Es gibt Menschen, von denen lebt ein ganzes Dorf“, hat Alexander Solschenizyn in einer Erzählung geschrieben. Das Dorf könnte Neustift, Oberkappel, Lembach heißen. Jeder von uns kann ein Stück weit beitragen, nicht überheblich, sondern demütig, dass von uns ein ganzes Dorf mit leben kann, wenn wir anfangen, wenn wir beginnen mit dem Durchmischen, Durchwirken und Durchsäuern. In der Welt ist man oft fertig, im Himmelreich ist man bemüht stets neu zu beginnen, neu anzufangen.


Liebe Brüder und Schwestern!

Arbeit am Himmelreich und Arbeit für das Himmelreich, das oft ganz anders funktioniert, als unsere Welt. Im Himmelreich glaubt man an Gottes Möglichkeiten und dass es Zeit braucht Unkraut und Weizen wirklich auseinanderzuhalten. Im Himmelreich kann mit viel Gottvertrauen aus ganz kleiner Kraft Großes entstehen. Im Himmelreich fängt man einfach an mit dem Durchwirken und Durchsäuern, im Bewusstsein, dass die Welt ein Stück weit auch von mir lebt, und ich mir ihr nicht vorenthalten kann. Jetzt ist Zeit mit der Arbeit für das Himmelreich zu beginnen. Amen.


Bibel: das heutige Sonntags-Evangelium


Evangelium nach
Matthäus 13, 24–43 (Kurzfassung: Matthäus 13, 24–30)

In jener Zeit erzählte Jesus der Menge folgendes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.

Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune! Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.

Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war. Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen, damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war. Dann verließ er die Menge und ging in das Haus. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker!

Er antwortete: Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches; das Unkraut sind die Kinder des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Schnitter sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei dem Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gesetzloses getan haben, und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

Bildnachweis: FPP AI


Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))


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Verfasst am: 19.07.2026
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