
Sonntag, 30. August 2026 – Wie ist Gott? Ist Gott nett ?
DAS WORT ZUM SONNTAG | von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER
Vor Jahren ist ein Buch mit einem Titel erschienen, den man wohl so nicht erwarten würde. Er lautet: Gott ist nicht nett! Es geht darin um die Auseinandersetzung eines Priester und Ordensmannes mit seiner priesterlichen Berufung. Inzwischen ist dieser Ordensmann sogar Bischof von geworden.
Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Altenhof, Lembach, Neustift
Heutiges Evangelium (siehe weiter unten)
Wie ist Gott?
Vielleicht tut es uns gut hier ein wenig zu verweilen und nachzudenken, ist doch bei vielen Menschen die Gefahr da sich einen allzu netten Kuschelgott zusammen zu zimmern. Gott ist nicht nett. Drei Gedanken dazu. Erstens: Ein Blick in die heutigen Schrifttexte. Gott ist nicht nett, dem würde auch der Prophet Jeremia zustimmen, dessen Klage über Gott wir in der Lesung gehört haben. Gott habe ihn betört und zum Gespött gemacht vor allen Menschen, jammert der Prophet. Er hat Gott scheinbar nicht nett erfahren. Und bei Petrus ist es genauso. So schnell kann die Stimmung kippen. Letzten Sonntag noch die großen Worte des Petrus „du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ und das Bekenntnis Christi zu ihm „du bist Petrus der Fels und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ und heute ist es anders: „Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern, was die Menschen wollen.“ Ist das nett?
Von unbesiegbaren Superhelden ..
Petrus hat ein sehr positives Bild von Gott. Ein Gott, der das Leiden nicht will und es deshalb verhindern wird, zumindest, wenn es seinen Sohn betrifft. Der Sohn Gottes als unbesiegbarer Held. Unverletzbar und unverwundbar soll er die Herrschaft Gottes zuerst in Israel und dann unter den Völkern der Welt aufrichten. Deshalb widerspricht Petrus dem Jesus „Das soll Gott verhüten. Das darf nicht mit dir geschehen.“ Da fordert Jesus ihn auf, sich hinter ihm einzuordnen und nicht vorne zu bestimmen, wie es gehen soll. Denn Jesus wird verwundbar sein, er wird den Gegnern unterliegen. Sie werden sich gegen ihn durchsetzen und ihn töten lassen. Und Gott wird es nicht verhindern, obwohl er der Sohn ist, sein Messias. Und das ist sehr schwer verständlich, nicht nur für den Petrus, dass Gott das nicht verhindert.
.. zu Helden der Nächstenliebe
Zweitens: Es geht offenbar nur über das Leiden. So ist es dann für Jesus gekommen bis zum Tod am Kreuz. Aber jetzt kündet er einmal das Leiden an. Jesus erklärt nicht, warum es so ist. Er sagt nur, wie es kommen wird mit ihm und mit ihnen, und dass dieses Leid nicht bedeutet, dass Gott besiegt ist vom Bösen und von denen, die Böses an ihnen tun. Weder er selbst wird in dieser Welt der Sieger sein, noch die ihm nachfolgen. Sieger werden sie allein vor Gott sein am Tag der Auferweckung. Es geht scheinbar nur über das Leid. Und wir wissen es alle: Das Leid ist eine gewaltige Wirklichkeit in dieser Welt und die Jünger Jesu können dieser Wirklichkeit nicht entrinnen. Sie sollen aber nichts und rein gar nichts dazu beitragen, dieses Leid für andere größer zu machen, es zu vermehren indem sie nur auf sich selber schauen, alle Vorteile haben wollen, weil sie die ganze Welt gewinnen wollen. Nein sie sollen vielmehr diejenigen sein, die bereit sind, zu verzichten und verzeihen und selber Nachteile auf sich zu nehmen, als anderen Menschen Leid anzuhängen. Wenn wir das tun, haben wir Jesus auf unserer Seite und Gott. Wir sollen nicht beitragen, dass Leid größer wird.
Nicht nett, Christ zu sein
Drittens: Ich muss auch hinter Jesus treten, in seine Fußspuren in seine Nachfolge mit viel Bereitschaft zum Lernen. In der alten Übersetzung dieses Evangelium hat Jesus zu Petrus gesagt: „Weg von mir du Satan!“ Das war falsch übersetzt. Jetzt stimmt es. „Tritt hinter mich“, sagt Jesus „du musst zurück in die Nachfolge.“ „Tritt hinter mich“ sagt Jesus auch zu uns. Tritt hinter mich, verleugne deine Empfindlichkeit. Trag das Kreuz der Anfeindung, das du öfter spürst, das müde Lächeln derer, die dir zuschauen, ertrag den Zynismus derer, die zu deinen vergeblichen Mühen grinsen. Tritt hinter mich und trag das Kreuz, das dir wegen deines Glauben in deiner Umgebung ersteht. Nein, es ist nicht nett, Christ zu sein heute. Es wird öfter ungemütlich. Dem sollen wir uns stellen und versuchen es anzunehmen.
Eine Frau hat einmal Folgendes geschrieben: Katholisch hieß lange: eingebettet sein in Regeln, die vielleicht manchem zu eng waren, aber doch Sicherheit gaben, der Glaube war selbstverständlich bzw. es wurde niemand belächelt, der an Gott glaubt. Aber heute? Gerade heute wieder musste ich mich rechtfertigen, immer noch Mitglied in dieser Kirche zu sein. Gerade heute noch musste ich erklären, was Nachfolge für mich bedeutet: Einsatz für die Benachteiligten, hier und überall, für Bewahrung eines lebensfreundlichen Klimas, arbeiten für Frieden und Versöhnung. Viele halten das für bescheuert; vor allem dann, wenn es was kostet. Freizeit, Geld… das gibt man doch nicht her für andere. So denken auch Menschen, die katholisch sind.
Das schöne Leben ..
Die eigene Bequemlichkeit geht vor. Ist das unser Kreuz, dass Glaube etwas kostet: Freizeit und Geld? Ich stimme dieser Frau voll zu. Die Selbstsucht mit ihren bösen Folgen für andere siegt in denen, die die ganze Welt haben wollen. Jesus siegt in denen, die wie er Kosten in Kauf nehmen ohne sie anderen aufzulasten. Und nur denen gilt das Versprechen Jesu: Sie werden das Leben gewinnen. Die Frage am Ende des Evangeliums geht uns alle an und wir dürfen darüber nachdenken: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“
Liebe Brüder und Schwestern!
Wir glauben an einen Gott der Liebe und Barmherzigkeit, keine Frage. Aber es stimmt auch: Gott ist nicht nett. Die heutigen Schrifttexte sagen es uns. Wir sehen es bei Jesus. Er ist durch das Leiden zur Auferstehung gelangt. Er hat es durchlitten, damit die Liebe den Tod besiegt. Leiden und Lieben gehört zusammen. Als Pius X. noch Landpfarrer in Veneto war, hat er einen kleinen Katechismus geschrieben, der noch erhalten ist. Darin steht die Frage: „Warum ist Gott Mensch geworden? Die merkwürdig überraschende Antwort lautet: „Um uns das Leiden zu lehren.“ Man muss wissen, dass Veneto damals sehr arm war. Die Menschen fristeten ihr Dasein unter katastrophalen Bedingungen. Das Leiden war dort allgegenwärtig und nur wer fähig war zu leiden, konnte dort überleben. Wir sollen lieben und alles tun um Leid nicht zu vergrößern. Es gibt ohnehin genug. Und deshalb müssen wir wie Petrus zurück, hinter ihm in die Nachfolge, um das Leben zu gewinnen. Amen.
Bibel: das heutige Sonntags-Evangelium

Evangelium nach Matthäus 16, 21–27
Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren
In jener Zeit begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären: Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden. Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.
Bildnachweis: FPP AI
Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))
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