Sonntag, 16. August 2026 – Offen sein für Neues

DAS WORT ZUM SONNTAG | von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER

Musste Jesus im Leben und Glauben etwas dazulernen, oder hat er immer alles gewusst. In der mittelalterlichen Theologie hatte man einmal den Zugang, dass Jesus nichts dazulernen musste. Dass er ein fertig eingegossenes Wissen hatte und über alles genau Bescheid wusste.


Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Altenhof, Lembach, Neustift

Heutiges Evangelium (siehe weiter unten)

Muss auch Gott lernen?

Man wollte mit diesem Ansatz die Göttlichkeit Jesus stärken, Gott muss nichts lernen, aber sein Menschsein kommt dabei zu kurz. Jeder Mensch muss lernen, dazulernen, Gelerntes auch hinterfragen. Nachdem Jesus ganz Mensch war hat er auch gelernt. Das ist übrigens durch die Bibel gedeckt. In den Kindheitsgeschichten heißt es, dass er an Gnade und Weisheit zunahm, als auch dazulernte. Im Hebräerbrief heißt es sogar, dass er durch das Leiden den Gehorsam gelernt hat. Jesus war ein Lernender. Das heutige Evangelium ist auch eine Lerngeschichte Jesu, wo wir uns ein bisschen etwas abschauen dürfen. Drei Gedanken dazu.

Beharrlichkeit erreicht etwas.

Erstens: Jesus ist im heidnischen Gebiet unterwegs und trifft auf eine kananäische Frau, eine Nichtjüdin. Die Kanaanäer galten als religiös vollkommen heruntergekommenes und dekadentes Volk. Aber diese Frau ist beharrlich. Zunächst einmal bittet sie Jesus für die kranke Tochter. Sie erhält keine Antwort. Die Jünger springen ein: „Befrei sie von ihrer Sorge. Sie schreit herum. Dann gibt sie Ruhe.“ Auch bei den Jüngern ist kein Mitleid da. Es geht ihnen darum, nicht aufzufallen. Jesus antwortet weiter, wohlgemerkt wieder nicht der Frau, sondern den Jüngern: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Auf gut Deutsch: „Die Heiden gehen mich nichts an. Ich bin nur für die jüdischen Glaubensgeschwister da.“

Nicht gleich beleidigt sein, sondern positiv argumentieren

Spätestens jetzt hätte die Frau beleidigt weggehen können. Einerseits nimmt Jesus sie in ihrer Not mit der kranken Tochter nicht ernst, anderseits ist er auch noch beleidigend, denn die Heiden gehen ihn scheinbar nichts an. Die Frau bleibt jedoch beharrlich: „Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde (=Ausdruck für Heiden) essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ Man kann die Frau nur bewundern. Sie greift die Beleidigung Jesus, dass man das Brot den Kindern (Juden) nicht wegnehmen darf um es den Hunden (Heiden) vorzuwerfen, auf und verändert sie zu ihren Gunsten. Sie gewinnt. Jesus schwenkt um: „Frau dein Glaube ist groß.“ Und die Tochter war geheilt. Aus der Beharrlichkeit der Frau hat Jesus gelernt.

Beharrlicher werden, wenn es Gegenwind gibt

Vielleicht dürfen auch wir etwas beharrlicher und ausdauernder werden, vor allem dort, wo wir als Christen mit Gegenwind konfrontiert sind. „Schenke uns Beharrlichkeit und Ausdauer auf dem Weg deiner Gebote,“ heißt es in einem Tagesgebet. Ein Sturmgebet und Herzensgebt für uns.

Jesus kommt auch für die Nicht-Gläubigen, Un-Gläubigen, die Zu-Wenig-Gläubigen, die Anders-Gläubigen in die Welt

Zweitens: Jesus weitet seine Sendung. Er ist nicht nur der Messias seines Volkes, sondern auch für die Heiden, das heißt für alle. Ob Jesus das hier für sich erkannt hat? Ich denke schon. Wir dürfen eines bedenken. Das heutige Evangelium ist genau in der Mitte zwischen zwei Erzählungen von der Brotvermehrung. Die erste haben wir vor zwei Wochen gehört. Da sind zwölf Körbe übrig geblieben. Und es gibt die zwölf Stämme Israels. Das heißt, dass ganz Israel genug haben soll, dass ganz Israel leben und satt werden soll. Bei der zweiten Brotvermehrung, die nach unserem heutigen Evangelium kommt, die jedoch die Leseordnung der Kirche nicht für die Sonntage vorsieht, bleiben sieben Körbe voll. Nach alter Überlieferung siedelten im Gebiet der Dekapolis sieben heidnische Stämme. Auch die sollen satt werden.

Wie Jesus sein eigenes Volk speist, die zwölf Stämme Israels, so speist er auch die Heiden. Auch sie sollen leben. Die zweite Brotvermehrung hat wohl die heidnische, beharrliche Frau bewirkt. Jesus hat hier eine neue Einstellung zu den Heidenvölkern gelernt. Seine Sendung ist universal. Vielleicht könnten auch wir etwas universaler werden im Umgang mit Fremden und Fremdem.

Ich weiß, dass ich nichts weiß, auch im Religiösen

Drittens: Einfach zugeben, dass wir alle noch viel zu lernen haben. Das scheint mir eine wichtige Folgerung des heutigen Evangeliums. Wir sind heute sehr gescheit geworden und können sehr viel. Wir können zum Mond fahren und die Planeten erforschen. Wir können Millionen von Informationen abspeichern und herumschicken. Aber das Eigentliche können wir nicht recht: das rechte Menschsein. In der Kirche ist es ähnlich. Es wird emsig geplant, umgebaut und sich angepasst an eine Gesellschaft, die sich immer mehr von Gott entfernt. Aber das wirklich echte Christsein, da wo es um Gott geht, haben wir leider auch verlernt. Das sollten wir einfach zugeben. Wo wir das zugeben, können wir neu mit dem Lernen beginnen. Dann können wir sagen: „Gott ich möchte es probieren. Ich möchte einfach wieder versuchen zu lernen ein rechter Mensch und ein rechter Christ zu sein.“ Freilich verlangt dieses Lernen Offenheit und Mühe.


Liebe Brüder und Schwestern!

Jesus hat gelernt. Nicht nur an dieser Stelle im Evangelium. Er war ein Lernender. Das gehört zum echten Menschsein dazu. Auch wir dürfen aus dem heutigen Evangelium lernen die Beharrlichkeit jener Frau und den erweiterten Horizont Jesus, der seine Sendung universal macht. Wo wir das tun, lernen wir sicher etwas dazu für das rechte Menschsein und Christsein. Und freilich müssen wir zugeben, dass wir immer viel zu lernen haben, dass es niemals ausgelernt ist. Amen.


Bibel: das heutige Sonntags-Evangelium


Evangelium nach
Matthäus 15, 21–28

In jener Zeit zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus
und Sidon zurück. Und siehe, eine kanaanäische
Frau aus jener Gegend kam zu ihm und rief:
Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids!
Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.
Jesus aber gab ihr keine Antwort.

Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Schick sie
fort, denn sie schreit hinter uns her!
Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen
des Hauses Israel gesandt.
Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte:
Herr, hilf mir!

Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern
wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.
Da entgegnete sie: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen
Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch
ihrer Herren fallen.

Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist
groß. Es soll dir geschehen, wie du willst.
Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

Bildnachweis: FPP AI


Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))


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Verfasst am: 16.08.2026
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