© KI-generiert (JR)Sonntag, 6. September 2026 – Ihr Partner hat jetzt eine KI-Beraterin und ist mit ihr sehr glücklich
DAS WORT ZUM SONNTAG | von Pfarrer Maximilian PÜHRINGER
„Wie sage ich es meinem Kind?“ Dieser Satz drückt eine Not aus, die in vielen Menschen drinnen steckt. Wie sage ich etwas? Wie kann ich Kritik anbringen ohne beleidigend zu sein? Wie sage ich jemand etwas? In dieser Not haben wir uns sicher alle schon einmal befunden.
Predigt von Maximilian PÜHRINGER
für die Pfarren in Oberkappel, Altenhof, Lembach, Neustift
Heutiges Evangelium (siehe weiter unten)
Die Sucht nach Bestätigung
Drei Gedanken dazu. Erstens: Man sucht Bestätigung. Das Unangenehme hören wir nicht gern. Das ist eine Tatsache. Aus absolut glaubwürdiger Quelle habe ich vor kurzem etwas Interessantes erfahren, das letztlich Bände spricht. Eine Dame hat erzählt, dass ihr Partner jetzt eine KI Beraterin habe und mit ihr sehr glücklich sei. Diese bestätige ihn in allen Angelegenheiten, bewundere ihn für seine Entscheidungen, spart nicht mit Lob und Anerkennung. Ihr Partner macht jetzt alles richtig und hört immer das, was er braucht. Das hebt seine Stimmung und macht ihn stolz. So stelle er sich eine Partnerin vor. Sie aber ist jetzt eifersüchtig auf diese künstlich intelligente Dame. Denn sie sieht ihren Partner ganz anders und leidet oft unter seinen Schwächen und muss ihm manchmal Unangenehmes sagen. Aber ihre Meinung ist jetzt nur mehr Nummer zwei. Was zählt ist die KI Beraterin. Wahrscheinlich fährt er mit ihr heuer sogar auf Urlaub, hat sie etwas zynisch gemeint. Ich weiß nicht, ob er mit seiner Frau auf Urlaub gefahren ist. Die künstliche Intelligenz bestätigt. Sie hilft das Unangenehme auszuklammern.
Die große Berechnung
Zweitens: Die künstliche Intelligenz klammert Herz und Gefühle aus. Vergangene Woche ist ein Buch eines deutschen Philosophen erschienen unter dem Titel die Vierte Kränkung. Rüdiger Safranski will darin bewusst machen, dass künstliche Intelligenz weder denkt noch Gefühle hat, sondern nur rechnet. Sie rechnet alles zusammen, was es weltweit zu einem Problem zu finden gibt und spuckt es dann aus. Und wenn diese Intelligenz noch dazu geschäftstüchtig programmiert ist, dann wird sie alles in einem sehr höflichen, werbenden und positiven Ton vermitteln. Dadurch wird sie ja sicher öfter nachgefragt und aufgerufen. Aber alles in allem meint er, sollte man warnen vor Ratgebern, die nicht denken und fühlen, sondern nur rechnen. Wer rechnet hat ein großes oder sogar ausschließliches Eigeninteresse, aber keins am anderen, am Gegenüber. Manche Menschen sind sehr berechnend, obwohl sie vorgeben es nicht zu sein. Es geht um das Eigeninteresse. Das positive Anliegen, das hinter den so schwierigen Sätzen des Evangeliums heute steht, ist ein anderes: Ein Interesse am anderen, das nicht rechnet, sondern denkt und fühlt. Ein Interesse, das sich sorgt um den anderen, um sein Wohlergehen und seine Stellung in einer Gemeinschaft. Nur so einfach lassen sich die Worte des Evangeliums erfahrungsgemäß nicht anwenden, das hat sicher schon jeder erfahren, der/die das ausprobiert hat. Niemand lässt sich gern kritisieren, korrigieren, auch nicht, wenn sogar mehrere daher kommen und sich einmischen. Das kann ganz schön schief gehen für die Beziehungen.
Die Hebammenkunst der Korrektur
Drittens: Es braucht trotzdem in irgendeiner Form Korrektur. Denn, wenn niemand es wagt einzuschreiten oder zu korrigieren, kann auch etwas ziemlich schief gehen. Konflikte sind nun mal eine heikle Sache und brauchen meist mehr Fingerspitzengefühl als einen überzeugten Wahrheitsanspruch. Ein Meister der Korrektur von Denk- und Handlungsweisen war der Philosoph Sokrates. Er hat nicht einfach seinen Gegenübern gesagt, was sie falsch machen, wie der Evangelist es heute vorschlägt, sondern hat ihnen sehr bohrende Fragen gestellt, um sie zum Denken zu bringen, dass sie von sich aus das Richtige hervorbringen und einsehen. Diese Fragen lauten: „Was kommt Gutes heraus, wenn du so handelst, wie du es planst? Worin besteht das Gute? Und für wen ist es gut?“ Grundfragen für Politik bis heute. Er nannte seine Methode Hebammenkunst, aber sie hat ihm auch das Leben gekostet. Denn nichts will ein Mensch weniger hören als das, dass er falsch liegt, dass er Fehler macht oder gar in ein Unglück schlittert. Das weist er als unangemessene Einmischung zurück. Dies wiederum kommt der künstlichen Intelligenz heute sehr entgegen und so sind ihre Ratschläge, dem menschlichen Ohr zuträglicher als die Worte Jesu oder die Worte es Sokrates. So ist das eben. Aber es gilt noch ein anderes Wort Jesu: „An den Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Hoffentlich kommt dann niemand zu spät drauf.
Liebe Brüder und Schwestern!
Wie sage ich es meinem Kind. Wie soll ich korrigieren, sprechen und handeln? Wichtige Frage! Mit der künstlichen Intelligenz geht es nicht. Künstliches kann sehr schädlich und unmenschlich sein, weil Herz und Gefühl fehlen und so eine kalte und gefühllose Welt entstehen. Es sind die fordernden Worte Jesu da aber auch die Fragen des Sokrates: „Was kommt Gutes heraus, wenn du so handelst, wie du es planst? Worin besteht das Gute? Und für wen ist es gut?“ Hinter beiden steht ein hoher Anspruch. Dem sollten wir uns stellen. Denn dieser hohe Anspruch ist es, der uns Gott näher bringt, der uns den Weg zur Heiligkeit gehen lässt, den wichtigsten Weg für uns Christen. Der heilige Ägidius ist in uns ganz natürlich vorausgegangen. Er möge uns Helfer, Fürsprecher und Wegbegleiter sein. Amen.
Der Gedenktag des Heiligen Ägidius (Link zu Heiligenlexikon inkl. Bauernregel) ist traditionell der 1. September. Da dieser Tag ein festes Datum im Kirchenjahr ist, fällt er auch im Jahr 2026 auf den 1. September 2026 (ein Dienstag). Er gilt als einer der vierzehn Nothelfer und ist unter anderem der Schutzpatron der Stillenden, der Hirten und der Bettler. Er war ein Einsiedler, Gründer des Klosters St-Gilles um 640 in Athen in Griechenland.
Bibel: das heutige Sonntags-Evangelium

Evangelium nach Matthäus 18, 15–20
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind ..
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde.
Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Bildnachweis: FPP AI
Ich sage Dir herzlichen Dank für das Lesen meiner Sonntagspredigt. Ich wünsche Dir und Deiner Familie noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen für die kommende Woche. Ich segne Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

HERZLICHE EINLADUNG – Die Kirche steht Dir immer offen in Lembach. Wenn Messe ist. Wenn Anbetung ist. Aber genau so auch wenn die Kirche gerade leer ist und du einfach Ruhe finden willst. Ich freue mich immer über Deinen Besuch ..
.. und Jesus ganz sicher auch :)))
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